Erhöht Typ-2-Diabetes das Risiko für bestimmte Krebsarten?
Typ-2-Diabetes erhöht das Risiko für mindestens sechs Krebsarten, vermutlich vor allem durch chronisch erhöhte Insulinspiegel. Ein gesunder Lebensstil kann dieses Risiko senken.
Ja, Typ-2-Diabetes erhöht das Risiko für eine ganze Reihe von Krebserkrankungen. Für sechs Typen ist der Zusammenhang in Beobachtungsstudien klar belegt: Darmkrebs, Leberkrebs, Gallenblasenkrebs, Brustkrebs, Gebärmutterkrebs und Bauchspeicheldrüsenkrebs. Dazu kommt, dass Menschen mit Typ-2-Diabetes häufiger in jüngerem Alter an Krebs erkranken als Menschen ohne Diabetes. Krebs ist inzwischen die häufigste Todesursache bei Typ-2-Diabetes.
Wo liegt die Ursache für dieses erhöhte Risiko? Hinweise aus genetischen Studien zeigen, dass nicht der hohe Blutzuckerspiegel selbst der entscheidende Faktor ist, sondern die chronisch erhöhten Insulinspiegel, die bei Typ-2-Diabetes häufig auftreten. Insulin wirkt als wachstumsförderndes Hormon: Höhere Spiegel hängen mit einem gesteigerten Risiko für Gebärmutter-, Bauchspeicheldrüsen-, Nieren-, Brust-, Lungen- und Gebärmutterhalskrebs zusammen. Der Blutzucker an sich scheint kaum eine Rolle zu spielen – mit Ausnahme eines bestimmten Subtyps von Lungenkrebs.
Übergewicht ist ein zentraler Faktor. Es ist sowohl die häufigste Ursache von Typ-2-Diabetes als auch ein eigenständiger Krebsrisikofaktor. Insulinresistenz, die bei Übergewicht fast immer vorliegt, ist wahrscheinlich das verbindende Mechanismus zwischen beiden.
Wer zusätzlich zu Typ-2-Diabetes raucht, regelmäßig Alkohol trinkt, sich wenig bewegt oder ungesund isst, häuft Risiken auf. Jeder dieser Faktoren erhöht die Krebsgefahr zusätzlich zu dem Risiko, das Typ-2-Diabetes ohnehin mitbringt. Das macht eine gesunde Lebensweise besonders wertvoll – nicht nur für den Blutzuckerspiegel, sondern auch als Schutz vor Krebs.
Basiert auf mehreren großen Beobachtungsstudien und Mendelschen Randomisierungsanalysen (PMID 33737302, 34521128, 32422026). Mendelsche Randomisierung nutzt genetische Varianten, um Kausalität von bloßem Zufall oder umgekehrter Kausalität zu unterscheiden – sie ist jedoch kein randomisiertes kontrolliertes Trial.