Lässt sich eine frühe Fettleber mit beginnender Fibrose rückgängig machen, wenn man die metabolischen Ursachen gezielt angeht?
Eine frühe Fettleber und sogar beginnende Fibrose sind durch einen Gewichtsverlust von 10 % oder mehr weitgehend umkehrbar. Starte mit mediterraner Ernährung, Krafttraining und weniger Alkohol, und sprich mit deinem Arzt über Medikamente, falls der Lebensstil allein nicht ausreicht.
Eine Fettleber (medizinisch MASLD/NASH oder MASH) ist im Frühstadium weitgehend umkehrbar, wenn man an den Ursachen ansetzt. In einer Studie mit 293 Patienten mit bioptisch gesicherter Leberentzündung durch Verfettung verschwand die Entzündung bei 90 % derjenigen vollständig, die durch Lebensstiländerungen mindestens 10 % ihres Körpergewichts verloren. Bei 45 % zeigte die Kontrollbiopsie zudem eine messbare Rückbildung der Fibrose, also des Narbengewebes. Schon ab 5 % Gewichtsverlust hatte mehr als die Hälfte der Patienten keine Leberentzündung mehr. Das Ansprechen ist dosisabhängig: mehr Gewichtsverlust, bessere Ergebnisse.
Das gilt auch in die andere Richtung. Eine große internationale Studie mit 10.014 Patienten zeigte, dass Menschen, die mehr als 5 % zulegen, ein fast doppelt so hohes Risiko für schwere Leberkomplikationen und zunehmende Leberversteifung tragen. Wer seine Adipositas dauerhaft umkehrte, hatte ein Risiko vergleichbar mit Personen, die nie adipös waren. Das ist ein handfestes Argument, das Gewicht zu stabilisieren oder zu senken, selbst wenn eine vollständige Normalisierung kurzfristig nicht erreichbar ist.
Wie man diesen Gewichtsverlust erreicht, spielt ebenfalls eine Rolle. Eine Auswertung mehrerer randomisierter Studien zeigte, dass eine mediterrane Ernährung das Gewicht und die Leberenzymwerte moderat, aber messbar verbessert. Besonders auffällig war Krafttraining: Es senkte den Leberwert ALT im Schnitt stärker als Ausdauersport, was darauf hindeutet, dass Muskeltraining die Leberentzündung auch direkt dämpft. Ausdauerbewegung wirkte stärker auf den Bauchumfang. Als Schwellenwerte gelten laut einer Übersichtsarbeit: Ab 5 % Gewichtsverlust sinkt der Fettgehalt der Leber, ab 7 % bessert sich die Entzündung, und erst ab 10 % stabilisiert sich die Fibrose oder bildet sich zurück.
Wer auf Lebensstiländerungen allein unzureichend anspricht, kann Medikamente in Betracht ziehen. Resmetirom, ein Wirkstoff, der den Schilddrüsenrezeptor in der Leber gezielt aktiviert, erhielt als erstes Medikament dieser Art eine vorläufige Zulassung, weil es sowohl das Lebergewebe als auch die Fibrose verbessert, und zwar unabhängig von Gewichtsverlust. GLP-1-Agonisten, eine Wirkstoffklasse, die auch bei Diabetes und Übergewicht eingesetzt wird und zu der unter anderem Semaglutid gehört, verbessern die Leberverfettung und die Entzündung, konnten die Fibrose in den vorliegenden klinischen Daten jedoch nicht nachweisbar reduzieren. Pioglitazon zeigt einen gewissen Nutzen für die Fibrose, allerdings nur in nachträglich durchgeführten Analysen, und es geht mit einer moderaten Gewichtszunahme einher. Dazu gibt es bisher nur Mäusedaten: Eine experimentelle mRNA-Therapie kehrte Verfettung und Fibrose im Tierversuch um, wurde am Menschen aber noch nicht erprobt.
Lebensstiländerungen, mit Fokus auf eine mediterrane kalorienreduzierte Ernährung, regelmäßige Bewegung und Alkoholverzicht, sind der erste Behandlungsschritt. Medikamente kommen ergänzend ins Spiel, wenn dieser Weg allein nicht weit genug führt.
Die Evidenz stammt aus einer klinischen Studie mit Leberbiopsien (n=293), einer multizentrischen Kohortenstudie (n=10.014), einer Metaanalyse und systematischen Übersichtsarbeiten randomisierter Studien sowie einem Tierstudien-Ergebnis. Langzeit-RCTs mit harten Endpunkten wie Mortalität oder Zirrhose liegen nicht vor.