Was macht ein spätes Zubettgehen mit deinem Blutzucker und Insulin?
Späteres Zubettgehen stört die Blutzuckerregulation. Wer das dauerhaft tut, hat ein höheres Risiko für verminderte Insulinwirkung und Typ-2-Diabetes.
Gehst du deutlich später ins Bett, als dein Körper es gewohnt ist, gerät die Verarbeitung von Blutzucker nach dem Essen durcheinander. Studien am Menschen zeigen: Verschiebt sich der Schlaf um mindestens zwei Stunden nach hinten, bei gleicher Gesamtschlafdauer, führt das in der Hälfte der gemessenen Situationen zu ungünstigeren Blutzuckerwerten, vor allem nach Mahlzeiten. In der anderen Hälfte war kein messbarer Unterschied festzustellen. Vierzehn Studien hatten zusammen weniger als 200 Teilnehmer, weshalb dieses Bild noch vorläufig ist.
Wer dauerhaft zu ungewöhnlichen Zeiten schläft, etwa im Nacht- oder Schichtdienst, trägt langfristig ein höheres Risiko. Je mehr Jahre jemand Schichtdienst leistet, desto größer die Wahrscheinlichkeit für einen gestörten Blutzucker, eine verminderte Insulinwirkung und schließlich Typ-2-Diabetes. Dieses Muster wurde wiederholt bei Pflegekräften beobachtet. Wie viel davon auf den verschobenen Schlafrhythmus zurückgeht und wie viel auf Schlafmangel und Stress, lässt sich bisher nicht sauber trennen.
Bei Schwangeren hängt ein spätes Schlaf- und Essmuster mit einem erhöhten Risiko für Schwangerschaftsdiabetes zusammen. Wer in der Schwangerschaft bemerkt, dass sie regelmäßig spät isst und spät schläft, sollte das mit der Hebamme oder dem Arzt besprechen.
Die innere Uhr ist auch genetisch verankert. Bestimmte Varianten in sogenannten Uhrgenen gehen mit höheren Blutzuckerwerten und einer größeren Wahrscheinlichkeit für Typ-2-Diabetes einher, was bei über 535.000 Menschen nachgewiesen wurde. Andere Uhrgenvarianten sind dagegen mit etwas niedrigeren Insulinwerten und einem geringeren Diabetesrisiko verbunden. Die Gene steuern die innere Uhr also nicht alle in dieselbe Richtung.
Diese Antwort stützt sich auf fünf Übersichten bestehender Forschung. Den kurzfristigen Effekt eines späteren Zubettgehens haben vierzehn kleine Studien mit zusammen 159 Teilnehmern untersucht, was wenig ist; viele Faktoren, die die Ergebnisse hätten verfälschen können, waren zudem nicht ausreichend berücksichtigt. Der langfristige Zusammenhang zwischen Schichtarbeit und Typ-2-Diabetes ist durch mehrere größere Studien mit Menschen gestützt, die über Jahre beobachtet wurden. Ob spätes Zubettgehen die Ursache ist oder nur damit einhergeht, lässt sich daraus nicht beweisen, aber das Muster ist einheitlich. Die Befunde zu den inneren Uhrgenen des Körpers stammen aus einer Auswertung von über 535.000 Menschen, was die Aussagekraft der Zahlen erhöht, auch wenn auch hier kein direkter Beweis für eine Ursache-Wirkungs-Beziehung vorliegt.