Was macht intermittierendes Fasten mit deiner Insulinsensitivität?
Intermittierendes Fasten verbessert die Insulinsensitivität bei den meisten Menschen, aber möglicher Muskelverlust und hormonelle Effekte sollten ernst genommen werden, besonders bei intensivem Training.
Alle drei gängigen Formen des intermittierenden Fastens (alternierende Fastentage, das 5:2-Schema und zeitlich begrenztes Essen) senken den Nüchterninsulinwert und verringern die Insulinresistenz. Ein systematischer Review, der mehr als 130 randomisierte Studien zusammenfasste, belegte diese Effekte statistisch. Die Mehrheit der Studien war allerdings methodisch schwach, und die Nachbeobachtungszeiträume waren oft kurz.
Das auffälligste Ergebnis liefert eine randomisierte Crossover-Studie mit Männern mit Prädiabetes1: Wer alle Mahlzeiten vor 15:00 Uhr aß, verbesserte seine Insulinsensitivität und die Funktion der insulinproduzierenden Zellen in der Bauchspeicheldrüse, ohne abzunehmen. Der Essenszeitpunkt spielte also eine eigene Rolle, unabhängig von einer Kalorienreduktion. Diese Studie wurde an einer spezifischen Männergruppe durchgeführt, weshalb die Befunde nicht ohne Weiteres auf alle übertragbar sind.
Bei trainierten Männern, die acht Wochen lang alle Kalorien in einem Achtstundenfenster aßen, sank nicht nur das Insulin, sondern auch der Testosteronspiegel sowie ein Wachstumsfaktor, der den Muskelaufbau steuert. Das ist ein Nachteil, den du einkalkulieren solltest, wenn du intermittierendes Fasten mit Sport kombinierst. Dazu passt, dass der große systematische Review einen Zusammenhang zwischen intermittierendem Fasten und dem Verlust von Muskelmasse fand, nicht nur Fett.
Ein Review aus 2023 weist darauf hin, dass intermittierendes Fasten bei bestimmten Altersgruppen besondere Aufmerksamkeit verdient und dass systematischere Sicherheitsdaten fehlen. Bei den meisten gesunden Erwachsenen scheint es weder zu mehr gestörtem Essverhalten noch zu Energietiefs tagsüber zu führen. Ob es gegenüber klassischer Kalorienreduktion einen Vorteil hat, lässt sich mangels direkter Vergleichsstudien nicht sagen.
Die Evidenz basiert auf einem systematischen Review von mehr als 130 randomisierten kontrollierten Studien, mehreren narrativen Reviews und einer randomisierten Crossover-Studie. Der systematische Review bewertete den Großteil der Evidenz nach GRADE als niedrig bis sehr niedrig. Die Crossover-Studie (PMID 29754952) ist die inhaltlich stärkste Einzelstudie am Menschen, die hier eingeflossen ist.