Was macht zu viel Zucker mit deiner Darmgesundheit?
Viel Zucker stört wahrscheinlich dein Darmmikrobiom und macht die Darmwand durchlässiger – doch der größte Schaden entsteht durch die Kombination mit zu wenig Ballaststoffen. Mehr Ballaststoffe zu essen ist derzeit der am besten belegte Weg zu einem gesünderen Darmmilieu.
Ein hoher Zuckerkonsum – vor allem raffinierte Kohlenhydrate und Fruktose aus Softdrinks und zugesetzten Zuckern – steht im Zusammenhang mit einem gestörten Darmmikrobiom und einem erhöhten Risiko für Stoffwechselerkrankungen wie das metabolische Syndrom. Besonders eine hohe Fruktosezufuhr scheint die Darmwand durchlässiger zu machen. Dadurch können bakterielle Giftstoffe in die Blutbahn gelangen und so zur Entstehung einer Fettleber beitragen. Forschende betonen allerdings, dass größere Studien nötig sind, um diesen Mechanismus abschließend zu belegen.
Ein wichtiger indirekter Effekt zuckerreicher Ernährung ist, dass Zucker Ballaststoffe verdrängt. Genau diese Ballaststoffe sind aber der Treibstoff für nützliche Darmbakterien: Sie werden zu kurzkettigen Fettsäuren umgewandelt, die den Stoffwechsel unterstützen. Wer wenig Ballaststoffe isst, hat ein höheres Risiko für entzündliche Darmerkrankungen, Adipositas und Typ-2-Diabetes. Insofern ist das Muster aus viel Zucker und wenig Ballaststoffen mindestens so schädlich wie Zucker für sich allein.
Ein Befund überrascht: In einer randomisierten Studie mit gesunden Erwachsenen veränderte zwölf Wochen lang reduzierter Zuckerkonsum die Zusammensetzung des Darmmikrobioms kaum – obwohl der LDL-Cholesterinspiegel sank. Das legt nahe, dass eine Zuckerreduktion allein nicht automatisch zu einem messbaren Mikrobiom-Nutzen führt, zumindest nicht kurzfristig bei gesunden Menschen.
Das Darmbakterium Akkermansia muciniphila ist mit einer besseren Blutzuckerregulation und weniger Bauchfett bei Menschen mit Übergewicht assoziiert. Eine zuckerreiche Ernährung kann die Menge dieses Bakteriums verringern, ob das jedoch direkt die Ursache metabolischer Probleme ist, bleibt bislang ungeklärt. Zu künstlichen Süßungsmitteln wie Aspartam und Sucralose ist das Bild derzeit neutral: Eine kleine Studie über zwei Wochen zeigte keinen Effekt auf das Mikrobiom, war aber zu klein und zu kurz, um wirkliche Entwarnung zu geben. Hinzu kommt, dass einer der beteiligten Forschenden finanzielle Verbindungen zu einem Softdrink-Hersteller hatte.
Aussagen basieren auf sechs Studien (PMID 36145184, 29408694, 39106867, 34068353, 26100928, 33171964). Die Evidenzstärke reicht von mäßig bis stark für Ballaststoffe; die Zuckereffekte sind mäßig belegt und teils observationeller Natur. Der RCT zur Zuckerreduktion (PMID 39106867) zeigt keinen Mikrobiom-Effekt. Die Süßstoffstudie (PMID 33171964) umfasst n=17 bei einer Laufzeit von 14 Tagen und weist einen potenziellen Interessenkonflikt auf (PepsiCo).