Was sagt uns Testosterontherapie über die Gesamtsterblichkeit?
Testosterontherapie senkt die Gesamtsterblichkeit nicht nachweisbar, erhöht sie aber auch nicht. Dennoch solltest du Nebenwirkungen wie Vorhofflimmern und Lungenembolie im Blick behalten und das mit deinem Arzt besprechen.
Die größte randomisierte Studie zu diesem Thema, die TRAVERSE-Studie mit über 5.000 Männern mit Testosteronmangel und erhöhtem Herz-Kreislauf-Risiko, fand keinen signifikanten Unterschied bei der Sterblichkeit oder bei schwerwiegenden kardiovaskulären Ereignissen zwischen Testosterongel und Placebo. Der kombinierte Endpunkt aus kardiovaskulärem Tod, Herzinfarkt und Schlaganfall trat bei 7,0 % der Testosterongruppe auf, gegenüber 7,3 % in der Placebogruppe. Testosteron war damit nicht schlechter als Placebo, aber auch nicht eindeutig besser. Die Studie wurde teilweise vom Hersteller des verwendeten Produkts finanziert.
Eine systematische Analyse von 35 randomisierten Studien mit zusammen über 5.600 Teilnehmern bestätigt dieses Bild: kein nachweisbarer Unterschied bei kardiovaskulären Ereignissen zwischen Testosteron und Placebo. Die Gesamtzahl der Todesfälle war über alle Studien hinweg zu gering, um allein zur Sterblichkeit eine harte Schlussfolgerung zu ziehen. Testosteron verbesserte jedoch die Lebensqualität und die sexuelle Funktion.
Zwei weitere Untersuchungen zeichnen ein anderes Bild, sind aber weniger überzeugend. Eine Registerstudie mit 737 Männern und knapp zehn Jahren Nachbeobachtung stellte fest, dass Männer, die ein langwirksames Testosteronpräparat injiziert bekamen, deutlich seltener überlebten. Da keine zufällige Zuteilung erfolgte, können andere Faktoren den Unterschied erklären. Ein narrativer Übersichtsartikel mit erkennbar pro-therapeutischer Haltung behauptete, Studien mit angemessener Dosiskontrolle zeigten einen Überlebensvorteil, quantifizierte dies jedoch nicht und ist daher als Beleg wenig geeignet.
Ein Punkt verdient besondere Aufmerksamkeit: In der TRAVERSE-Studie traten in der Testosterongruppe häufiger Vorhofflimmern, akutes Nierenversagen und Lungenembolien auf. Diese Ereignisse führten in der Studie nicht zum Tod, sind aber als Nebenwirkungen nicht zu ignorieren. Deshalb wird bei der Anwendung eine regelmäßige Kontrolle der Blutwerte, des Hämatokrits und des PSA-Werts empfohlen.
Die Antwort stützt sich vor allem auf eine große randomisierte Studie (TRAVERSE, über 5.000 Teilnehmer) und eine systematische Analyse von 35 randomisierten Studien. Beide zeigen keinen Effekt auf Sterblichkeit oder kardiovaskuläre Endpunkte, waren aber nicht primär auf Sterblichkeit als Zielgröße ausgelegt: Es gab schlicht zu wenige Todesfälle. Die ergänzenden Studien sind klein oder rein beobachtend, sodass sich Ursache und Wirkung nicht belastbar trennen lassen. Für Sterblichkeit als primären Endpunkt reichen die vorliegenden randomisierten Studien zusammen nicht aus, um eine abschließende Aussage zu treffen.