Was sind „Zombiezellen" und wie wird man sie los?
Zombiezellen spielen nachweislich eine Rolle beim Altern, doch eine bewährte Behandlung für Menschen existiert noch nicht. Behalte das Forschungsfeld im Blick, aber leg dir vorerst keine Nahrungsergänzungsmittel oder Mittel zu, die behaupten, Senolytika zu sein.
Zombiezellen sind Zellen, die aufgehört haben, sich zu teilen, aber den programmierten Zelltod verweigern. Mit zunehmendem Alter häufen sie sich an und setzen dabei kontinuierlich Entzündungsbotenstoffe in ihrer Umgebung frei. Diese Botenstoffe schädigen benachbarte gesunde Zellen und Gewebe und werden mit einer Reihe von Alterskrankheiten in Verbindung gebracht – von Gelenkproblemen bis hin zu Hirnerkrankungen.
Nicht alle Zombiezellen sind schädlich. In der Embryonalentwicklung und bei der normalen Wundheilung übernehmen sie sogar nützliche Aufgaben: Sie bremsen unkontrolliertes Zellwachstum und unterstützen die Gewebeerneuerung. Zum Problem werden sie erst, wenn sie sich zu lange ansammeln und das Immunsystem sie nicht mehr rechtzeitig beseitigt. Bei Menschen mit chronischen diabetischen Fußwunden lässt sich genau das beobachten: Seneszente Zellen stauen sich auf und hemmen den Heilungsprozess, den sie bei einer normalen Wunde eigentlich beschleunigen würden.
In Mausmodellen Alzheimer-ähnlicher Hirnerkrankungen wurden Zombiezellen auch in Gehirnstützzellen nachgewiesen. Ein frühzeitiges Eingreifen durch die Entfernung dieser Zellen verhinderte Tau-Ablagerungen, Hirnentzündungen und Neuronenverlust und erhielt die Gedächtnisleistung besser. Das wurde ausschließlich in Tierversuchen gezeigt; ob es beim Menschen funktioniert, ist bislang unbekannt.
Inzwischen wurden mehrere Strategien untersucht, um Zombiezellen gezielt zu entfernen – sogenannte Senolytika. Der Wirkstoff Navitoclax aktiviert den programmierten Zelltod spezifisch in seneszenten Zellen; in Mäusen verjüngte er blutbildendes Gewebe und Muskelgewebe. Forschende am Erasmus MC entwickelten ein Peptid, das seneszente Zellen zur Selbstzerstörung bringt, ohne gesunde Zellen zu treffen: Die Mäuse wirkten fitter und ihre Nierenfunktion verbesserte sich. Überraschend zeigte sich außerdem, dass das verbreitete Diabetesmedikament Canagliflozin (ein SGLT2-Hemmer) in Mäusen seneszente Zellen über das Immunsystem reduzierte und sogar die Lebensdauer bei Mäusen mit vorzeitiger Alterung verlängerte. Bemerkenswert: Gewöhnliche Insulintherapie hatte diesen Effekt nicht, was darauf hindeutet, dass es um mehr geht als bloße Blutzuckersenkung.
All diese Erkenntnisse stammen aus Tier- und Laborstudien. Keine einzige Senolytika-Therapie ist bislang für Menschen zugelassen oder klinisch belegt. Forschende arbeiten an Messmethoden, um Zombiezellen in menschlichem Gewebe zu identifizieren, doch klinisch verfügbar sind diese noch nicht. Das Forschungsfeld ist aktiv und die Ergebnisse im Tierversuch konsistent positiv – der Schritt zu einer sicheren und wirksamen Behandlung beim Menschen steht jedoch noch aus.
Aussagen basieren auf PMID 24954210, 28575665, 39310100, 30232451, 26657143, 28340339, 38816549 und 35974106. Alle Interventionsergebnisse stammen aus Tier- oder Laborstudien; klinische Studien am Menschen zu Senolytika liegen bislang nicht vor.