Was verrät dein Ruhepuls über dein Risiko, frühzeitig zu sterben?
Ein höherer Ruhepuls hängt robust mit einem größeren Risiko für einen frühzeitigen Tod zusammen – auch nach Berücksichtigung anderer Risikofaktoren. Liegt dein Ruhepuls dauerhaft über 80, lohnt es sich, das mit deiner Ärztin oder deinem Arzt zu besprechen, besonders wenn du zusätzlich einen hohen Blutdruck hast.
Pro 10 zusätzliche Schläge pro Minute steigt das Risiko, an irgendeiner Ursache zu sterben, um rund 9 %. Zwei große Metaanalysen mit jeweils Dutzenden von Einzelstudien kommen unabhängig voneinander zu diesem Ergebnis. Über 80 Schlägen pro Minute in Ruhe war das Sterberisiko sogar 45 % höher als in der niedrigsten Pulskategorie – und das auch nach Berücksichtigung von Blutdruck, Cholesterin und anderen bekannten Risikofaktoren.
Dieser Zusammenhang beschränkt sich nicht auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Ein höherer Ruhepuls geht auch mit einem erhöhten Risiko für Tod durch Herzinsuffizienz, Schlaganfall und Krebs einher. Das zusätzliche Risiko für krebsbedingten Tod liegt bei einem Ruhepuls von 80 oder mehr bei 35 % gegenüber Menschen mit weniger als 60 Schlägen pro Minute. Gute körperliche Fitness kann dieses Risiko teilweise ausgleichen, aber nicht vollständig.
Besonders ungünstig ist die Kombination aus hohem Ruhepuls und hohem Blutdruck. Eine Untersuchung mit mehr als 67.000 Personen über 60 Jahren zeigte, dass sich diese beiden Faktoren gegenseitig verstärken: Ihr gemeinsamer Effekt auf die Sterblichkeit war größer als der jedes einzelnen Faktors für sich. Wer beides hat, profitiert doppelt davon, sowohl den Blutdruck als auch den Puls im Blick zu behalten.
Ob ein hoher Ruhepuls selbst Schaden anrichtet oder lediglich ein Zeichen eines zugrunde liegenden Problems ist, bleibt offen. Medikamente, die die Herzfrequenz senken, reduzieren unabhängig von ihren anderen Wirkungen Krankenhauseinweisungen und Sterblichkeit bei Herzinsuffizienz – das ist bisher der stärkste indirekte Hinweis darauf, dass der Puls selbst eine Rolle spielt.
Bei Menschen um die 95 Jahre sagte ein höherer Ruhepuls keine kürzere Lebenserwartung voraus. Das Risikosignal, das für jüngere und mittlere Altersgruppen so konsistent ist, scheint im sehr hohen Alter zu verschwinden. Dieser Befund stammt aus einer kleineren Studie mit 854 Personen und muss noch bestätigt werden.
Diese Antwort stützt sich auf zwei große Metaanalysen, die jeweils Dutzende von Studien zusammenfassen, ergänzt durch eine Studie mit mehr als 67.000 älteren Personen, eine Studie mit 854 Menschen um die 95 Jahre, eine Studie zu körperlicher Fitness und Krebssterblichkeit sowie zwei Übersichtsarbeiten zu herzfrequenzsenkenden Medikamenten. Der Zusammenhang zwischen Ruhepuls und Sterblichkeit ist damit breit untersucht und konsistent. Einschränkend ist festzuhalten: Die Autoren berichten selbst von erheblicher Streuung zwischen den zusammengefassten Studien sowie Hinweisen auf einen Publikationsbias. Die Kausalitätsfrage – richtet ein hoher Puls selbst Schaden an, oder ist er ein Symptom? – ist noch nicht abschließend beantwortet; die Daten zu pulssenkenden Medikamenten liefern dafür den stärksten indirekten Hinweis.