Verrät dein Ruhepuls, wie schnell du alterst?
Ein dauerhaft hoher Ruhepuls, besonders ab 80 bis 90 Schlägen pro Minute, geht mit einem deutlich erhöhten Risiko für frühzeitigen Tod einher. Bewegung zur Senkung des Ruhepulses ist sinnvoll, doch ein sehr niedriger Puls im höheren Alter ist nicht immer ein gutes Zeichen: Sprich das im Zweifel mit deinem Arzt durch.
Ein dauerhaft erhöhter Ruhepuls ist klar mit einer kürzeren Lebenserwartung verknüpft. Wer mehr als 90 Schläge pro Minute hat, trägt ein rund 56 % höheres Sterberisiko als jemand mit 61 bis 70 Schlägen pro Minute. Das Risiko, an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung zu sterben, ist bei diesem hohen Puls sogar mehr als doppelt so groß. Dieser Zusammenhang zeigt sich stabil in mehreren Beobachtungsstudien, auch bei Menschen zwischen 70 und 90 Jahren. Jede zusätzlichen 10 Schläge pro Minute entsprechen je nach Alter einem um 13 bis 35 % erhöhten Sterberisiko.
Ob dieser Zusammenhang kausal ist, also ob ein hoher Puls das Altern tatsächlich beschleunigt, ist weniger eindeutig. Genetische Untersuchungen, sogenannte Mendelsche Randomisierungsstudien, deuten auf einen ursächlichen Zusammenhang hin. Tierversuche zeigen zudem, dass eine künstlich verlangsamte Herzfrequenz das Leben verlängert, doch das lässt sich nicht direkt auf den Menschen übertragen. Die Hypothese, dass ein hoher Puls über erhöhten oxidativen Stress und chronische Entzündungen die biologische Uhr beschleunigt, existiert zwar, ist beim Menschen bislang aber nicht überzeugend belegt.
Dazu kommen zwei wichtige Einschränkungen. Erstens verändert sich die Aussagekraft des Ruhepulses mit dem Alter. Bei Menschen über 95 Jahren war die Höhe des Ruhepulses kein Überlebensindikator mehr. Und ein sinkender Puls im hohen Alter klingt zunächst positiv, kann aber auch auf einen geschwächten Sinusknoten hindeuten, den natürlichen Schrittmacher des Herzens, der nicht mehr richtig funktioniert. Das wäre eher ein Risikofaktor. Zweitens ist nur etwa 23 % der Variation im Ruhepuls genetisch bedingt. Der Rest hängt von Lebensstil, Fitness und allgemeinem Gesundheitszustand ab. Damit lässt sich durch regelmäßige Bewegung tatsächlich etwas verändern.
Ein niedriger Ruhepuls ist also für sich allein kein Beweis dafür, dass du biologisch jünger bist. Er ist eher ein Signal: Ein dauerhaft hoher Ruhepuls, besonders ab 80 oder 90 Schlägen pro Minute, ist ein guter Grund, die eigene Fitness und Herzgesundheit ernst zu nehmen. Fällt der Ruhepuls im höheren Alter ohne sportlichen Hintergrund stark auf 50 Schläge pro Minute oder darunter, solltest du das mit deinem Arzt besprechen.
Die Aussagen stützen sich auf Beobachtungsstudien, eine große Zwillingsstudie (n=4282), die Jerusalem Longitudinal Cohort Study sowie Mendelsche Randomisierungsanalysen. Die kausale Interpretation wird durch genetische Daten gestützt, ist aber noch nicht durch randomisierte Interventionsstudien am Menschen bestätigt. Biologisch-mechanistische Aussagen zum Alterungsprozess beruhen auf Tierversuchen und Hypothesen.