Welche Hormonwerte sind typisch für die Perimenopause und Menopause?
Typisch sind ein früher Abfall von AMH und Inhibin B, gefolgt von einem Anstieg des FSH und einem späten, deutlichen Rückgang des Östradiols. Lass dich bei Beschwerden nicht allein von einem Bluttest leiten, da die Hormonwerte während des Übergangs stark schwanken. Besprich das Muster deiner Menstruation und deiner Beschwerden mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Das früheste hormonelle Signal einer nahenden Menopause ist der Abfall von Inhibin B, einem Protein, das die Zahl aktiver Follikel im Eierstock widerspiegelt. Er beginnt bereits bei Frauen über 40, die noch regelmäßig menstruieren, und nach der Menopause ist Inhibin B gar nicht mehr nachweisbar. Noch früher sinkt das Anti-Müller-Hormon (AMH), das die Reserve ruhender Follikel anzeigt. AMH ist bereits etwa fünf Jahre vor der letzten Menstruation messbar erniedrigt und postmenopausal vollständig verschwunden.
Weil Inhibin B wegfällt, bremst es die Hirnanhangsdrüse weniger stark. Das ermöglicht dem FSH zu steigen. FSH ist daher das erste Hormon, das Ärzte üblicherweise bestimmen lassen, wobei der Anstieg schon früh sichtbar ist. Nach der Menopause sind die FSH-Werte deutlich erhöht. LH steigt ebenfalls, aber weniger ausgeprägt. Östradiol verhält sich überraschend lange stabil: Da das erhöhte FSH den Eierstock weiter antreibt, bleibt der Östrogenspiegel bis spät in die Perimenopause weitgehend erhalten. Erst in den drei bis vier Jahren rund um die letzte Menstruation fällt Östradiol stark ab. Dieser Abfall geht mit Hitzewallungen, Schlafproblemen und Knochenschwund einher.
Testosteron folgt einem anderen Muster. Es sinkt allmählich über das gesamte reproduktive Leben (um etwa die Hälfte zwischen dem zwanzigsten und vierzigsten Lebensjahr), doch die Menopause selbst beschleunigt diesen Rückgang nicht zusätzlich. Postmenopausal kann Testosteron sogar leicht ansteigen. Nur wenn die Eierstöcke chirurgisch entfernt werden, kommt es zu einem deutlichen zusätzlichen Abfall. DHEA und DHEAS, Nebennierenrindenhormone, die als Ausgangsstoffe für Geschlechtshormone dienen, sinken mit dem Alter, was jedoch ein eigenständiger Alterungsprozess ohne spezifische Verbindung zur Menopause ist.
Nach der Menopause übernimmt die Nebennierenrinde teilweise die Rolle der Eierstöcke. Sie produziert Androstendion, das im Fettgewebe zu Östrogen umgewandelt wird. Frauen mit mehr Fettgewebe können postmenopausal dadurch etwas höhere Östrogenspiegel aufweisen als Frauen mit weniger Fettgewebe.
Praktisch wichtig: Während der Perimenopause sind FSH und Östradiol keine zuverlässigen Marker dafür, wie weit die Umstellung fortgeschritten ist. Die Werte schwanken erheblich und überschneiden sich mit denen jüngerer Frauen. Ein einzelner Bluttest sagt daher wenig aus. Die Diagnose „Perimenopause" oder „Menopause" lässt sich am besten anhand der Beschwerden und des Musters der Menstruation stellen, was du am besten mit deiner Ärztin oder deinem Arzt besprichst.
Diese Antwort stützt sich auf mehrere Expertinnenreviews, darunter umfassende Übersichtsarbeiten zur Endokrinologie des menopausalen Übergangs. Das Bild von FSH, Inhibin B und AMH als frühen Markern ist quellenübergreifend konsistent. Für Testosteron und DHEA ist die Evidenzlage weniger eindeutig und die Zusammenhänge sind schwächer belegt. Randomisierte Studien, die Ursache und Wirkung eindeutig nachweisen, existieren nicht; der Großteil des Wissens stammt aus Langzeitbeobachtungen von Frauen im menopausalen Übergang.