Wie funktioniert Alterung – und wie lässt sie sich verlangsamen?
Die stärksten Hinweise auf eine Verlangsamung des Alterns gibt es für NAD+-Nahrungsergänzungsmittel wie NMN oder NR. Kleine Studien beim Menschen zeigen bescheidene Effekte, doch große klinische Studien fehlen und eine Lebensverlängerung beim Menschen ist nicht belegt.
Altern bedeutet im Kern: Zellen und Gewebe nutzen sich langsam ab. Zwei Haupttreiber sind die Ansammlung von Stoffwechselabfällen in den Zellen und DNA-Schäden, die sich über Jahre aufschichten. Genetische Veranlagung spielt eine Rolle, aber auch der Lebensstil hat erheblichen Einfluss.
Ein zentraler Motor des Alterns ist 'Inflammaging': eine schwelende, niedriggradige Entzündung, die entsteht, wenn Zellen ihre eigene Reinigungsmaschinerie nicht mehr richtig in Gang halten. Beschädigte Proteine und schlecht funktionierende Mitochondrien häufen sich an, was oxidativen Stress auslöst – reaktive Moleküle greifen die Zellen dann zusätzlich an.
Auch die chemischen Markierungen auf deiner DNA verschieben sich mit den Jahren. Diese Markierungen steuern, welche Gene aktiv sind und welche nicht. Geraten sie durcheinander, werden falsche Gene eingeschaltet und das Genom wird instabil. Die gute Nachricht: Lebensspanne ist zu einem großen Teil epigenetisch geprägt, nicht rein genetisch festgeschrieben. Ernährung und andere Lebensstilentscheidungen können diese Prozesse also beeinflussen.
Auf zellulärer Ebene spielt außerdem das DNA-Reparatursystem eine wichtige Rolle. Arbeitet es nicht mehr zuverlässig, summieren sich kleine DNA-Schäden auf – was mit Krebs, Entzündungen und Hirnerkrankungen in Verbindung gebracht wird. Gleichzeitig sinken die NAD+-Spiegel (ein Stoff, der für die Energieproduktion in Zellen unverzichtbar ist) mit zunehmendem Alter, und Stammzellen geraten aus dem Gleichgewicht: Die Gewebeerneuerung lässt nach.
Die am besten untersuchten Nahrungsergänzungsmittel sind NAD+-Vorstufen wie NMN oder NR. In Tierstudien verbesserten sie Stoffwechsel, Herz- und Hirnfunktion und verlängerten die Lebensdauer von Mäusen. Beim Menschen sind die Studien rar und klein: Sie zeigen, dass NAD+-Spiegel im Blut sicher ansteigen, mit schwachen Hinweisen auf etwas niedrigeren Blutdruck und ein günstigeres Blutfettprofil. Große klinische Studien fehlen, und eine Lebensverlängerung beim Menschen ist nicht belegt. Für Herz und Gelenke gibt es zusätzliche Mechanismen wie Fibrose und Gelenkentzündung – doch auch hier steckt die Forschung noch in den Anfängen.
Basiert auf 9 PMID-Quellen, darunter Übersichtsarbeiten zu Epigenetik, DNA-Reparatur, NAD+-Stoffwechsel und organspezifischem Altern. Große randomisierte klinische Studien fehlen für alle betrachteten Interventionsansätze. Ergebnisse aus Tierstudien lassen sich nicht ohne Weiteres auf den Menschen übertragen.