Wie schädlich ist zu wenig Tageslicht oder Sonnenlicht?
Zu wenig Sonnenlicht ist nachweislich schädlich, vor allem für deine Knochen. Für ein breiteres Krankheitsrisiko sind die Zusammenhänge plausibel, aber noch keine bewiesenen Ursachen, und eine tägliche Portion von 5 bis 30 Minuten Sonnenlicht reicht für die meisten Menschen bereits aus.
Knochengesundheit ist der am besten belegte Zusammenhang: Ohne ausreichend Sonnenlicht produziert deine Haut kaum Vitamin D. Bei Kindern führt das zu Rachitis, einer schweren Knochenkrankheit mit Wachstumsstörungen. Bei Erwachsenen beschleunigt ein Mangel den Knochenabbau und erhöht das Bruchrisiko. Dieser Zusammenhang gilt als gut belegt und wird als ursächlich eingestuft.
Mehrere Studien zeigen außerdem eine Verbindung zwischen wenig Sonnenlicht und einem höheren Risiko für bestimmte Krebsarten (Brust, Darm), Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Multiple Sklerose, Rheuma und Typ-1-Diabetes. Schätzungen gehen von bis zu über 800.000 zusätzlichen Todesfällen pro Jahr in den USA und Europa aus, die damit möglicherweise zusammenhängen. Dabei handelt es sich um statistische Zusammenhänge, keine bewiesenen Ursachen.
Auffällig ist, dass Vitamin-D-Präparate dieses Problem nicht lösen. Wer Vitamin D schluckt statt in die Sonne zu gehen, konnte die genannten Erkrankungen damit nicht überzeugend verhindern. Das legt nahe, dass Sonnenlicht mehr bewirkt als nur Vitamin-D-Bildung, zum Beispiel durch die Freisetzung von Stickstoffmonoxid über die Haut. Eine Kapsel ersetzt Sonnenlicht also nicht vollständig.
Schwächere Hinweise gibt es auch auf Zusammenhänge mit Kurzsichtigkeit, Alzheimer, Asthma und Autismus. Hier liegen bisher nur frühe Beobachtungsdaten vor, Kausalität ist nicht belegt. Diese Befunde solltest du entsprechend einordnen.
Sonnencreme senkt deinen Vitamin-D-Spiegel in der Praxis kaum, auch wenn Laborversuche einen anderen Eindruck erwecken können. Wer täglich Sonnenschutzmittel verwendet, hat in der Regel trotzdem einen normalen Vitamin-D-Status. Ausnahmen sind Menschen mit einer Hauterkrankung, die sie zu konsequentem Lichtschutz zwingt: Sie haben ein reales Mangelrisiko und sollten ihren Spiegel prüfen lassen und bei Bedarf supplementieren. Umgekehrt müssen Menschen mit Albinismus besonders vorsichtig mit Sonnenlicht umgehen, weil ihnen der Melaninschutz fehlt und sie schon früh im Leben ein erhöhtes Hautkrebsrisiko tragen.
Für die meisten Menschen reichen 5 bis 30 Minuten tägliche Sonne, je nach Hauttyp und saisonalem UV-Index, um genug Vitamin D zu bilden. Arme, Beine oder das Gesicht eignen sich gut dafür, mit schrittweiser Steigerung der Dauer. Sonnenbrand zu vermeiden bleibt dabei die wichtigste Grundregel.
Die verwendeten Aussagen stützen sich auf PMIDs 18400738, 15585788, 32918212, 32668607, 31069788, 30945275 und 31777350. Die Evidenzstärke variiert je nach Endpunkt: stark für Knochengesundheit, mäßig für Herz-Kreislauf- und Autoimmunerkrankungen, begrenzt für die übrigen Assoziationen.