Sind Light-Getränke und Süßstoffe schädlich – und wenn ja, warum?
Wer gelegentlich ein Light-Getränk trinkt, muss sich keine klar belegten Risiken einreden lassen. Wer täglich größere Mengen konsumiert, hat angesichts mehrerer großer Studien – vor allem zu Aspartam und Acesulfam-K – guten Grund zur Vorsicht.
Light-Getränke werden gerne als gesunde Alternative vermarktet, doch die Studienlage ist differenzierter. Es gibt sowohl mögliche Vorteile als auch echte Bedenken – und für die meisten Risiken fehlt beim Menschen bislang ein klarer ursächlicher Nachweis.
Was Gewicht und Blutzuckerspiegel angeht, sieht es zunächst nicht schlecht aus. Langfristiger Süßstoffkonsum scheint sich günstig auf das Körpergewicht und die Blutzuckerregulation bei Menschen mit Typ-2-Diabetes auszuwirken, und für die Zähne ist er besser als normaler Zucker1. Einige Übersichtsarbeiten finden ebenfalls keinen messbaren negativen Effekt auf Gewicht oder Blutzucker2.
Beim Thema Krebs sind die Signale beunruhigender. Eine große französische Studie mit knapp 103.000 Teilnehmenden verknüpfte einen überdurchschnittlichen Konsum von Süßstoffen mit einem um 13 % erhöhten Krebsrisiko. Aspartam hing mit einem 15 % höheren Gesamtkrebsrisiko und einem 22 % höheren Brustkrebsrisiko zusammen, Acesulfam-K mit einem 13 % höheren Krebsrisiko3. Die Forschenden selbst schließen Störvariablen nicht vollständig aus, doch angesichts der Stichprobengröße sind die Befunde ernst zu nehmen.
Eine mögliche Erklärung führt über das Darmmikrobiom. Forschende am Weizmann-Institut zeigten, dass Saccharin, Sucralose und Aspartam die Zusammensetzung der Darmflora verändern und dadurch Blutzuckerprobleme auslösen können. Dieser Effekt ließ sich per Darmtransplantation auf keimfreie Mäuse übertragen, was einen ursächlichen Zusammenhang plausibel macht4. Eine kleinere Studie mit 17 gesunden Erwachsenen fand bei realistischen Dosen nach 14 Tagen allerdings keinen entsprechenden Effekt5. Ein Autor dieser Studie erhielt ein Honorar von PepsiCo, was die Unabhängigkeit einschränkt.
Große Beobachtungsstudien stellen außerdem Zusammenhänge mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, erhöhter Sterblichkeit, Depressionen und Übergewicht bei Kindern her6,2,7. Eine prospektive Studie über 8 Jahre mit mehr als 12.000 brasilianischen Teilnehmenden verband einen hohen Süßstoffkonsum – einschließlich Zuckeralkoholen wie Erythrit und Xylit – mit einem schnelleren kognitiven Abbau, besonders bei unter 60-Jährigen8. Auch hier handelt es sich um Assoziationen, und Störvariablen lassen sich nicht vollständig ausschließen. Das grundlegende Problem bleibt: Menschen, die viel Light-Produkte konsumieren, unterscheiden sich in vielen anderen Lebensbereichen ebenfalls von anderen. Belastbare Kausalbelege beim Menschen fehlen weitgehend.
Grundlage sind zehn Studien: große Kohortenstudien (bis zu 102.865 Teilnehmende), eine prospektive Studie über 8 Jahre, eine kleine randomisierte Studie (17 Teilnehmende), Human- und Tierstudien des Weizmann-Instituts sowie Übersichtsarbeiten und Metaanalysen. Nahezu alle Belege sind assoziativer Natur. Eine Studie weist einen potenziellen Interessenkonflikt auf (PepsiCo-Honorar). Die geschätzte Gesamtzahl der Teilnehmenden über alle klinischen Studien hinweg liegt bei über 130.000.