Wird deine Haut mit zunehmendem Alter dicker oder dünner?
Deine Haut wird auf zwei Ebenen dünner – das ist gut belegt. Retinoid-Cremes haben die stärkste Evidenz, wenn du diesem Prozess entgegenwirken möchtest; stärkere Varianten wie Tretinoin besprichst du am besten mit deinem Arzt oder Dermatologen.
Deine Haut besteht aus zwei Schichten: der äußeren Epidermis und der tiefer gelegenen Dermis, dem Bindegewebsgerüst. Beide werden im Laufe des Lebens dünner. Die Epidermis verliert an Masse, weil die Zahl der Hautstammzellen sinkt. Die Dermis büßt ihre Festigkeit ein, weil alternde Hautzellen immer weniger Kollagen produzieren – und gleichzeitig Entzündungsstoffe ausschütten, die die Hautstruktur aktiv abbauen. Eine Auswertung von 133 Studien an 37 Körperstellen bestätigt, dass die Epidermis mit dem Alter zuverlässig dünner wird.
Eine kleinere Biopsiestudie mit 71 Personen fand keinen signifikanten Zusammenhang zwischen Alter und Epidermisdicke. Sie steht damit deutlich im Widerspruch zu einer weit größeren Menge an Daten, die das Gegenteil zeigen. Dieselbe Studie stellte außerdem fest, dass Männer eine dickere Epidermis haben als Frauen und dass Rauchen mit einer dünneren Hornschicht einherging.
Die funktionellen Folgen sind spürbar: Die Hautbarriere arbeitet schlechter, Wunden heilen langsamer und das Hautkrebsrisiko steigt. Das sind direkte Konsequenzen der strukturellen Veränderungen in beiden Hautschichten.
Das Dünnerwerden lässt sich teilweise bremsen oder sogar umkehren. Tägliche Cremes mit Retinoiden, einer Gruppe von Vitamin-A-Derivaten, die rezeptfrei und verschreibungspflichtig erhältlich sind, können beide Hautschichten verdicken und feine Linien reduzieren. Ein chemisches Peeling führte in einer kleinen Studie mit postmenopausalen Frauen zu einer messbaren Zunahme der Epidermisdicke. Eine kleine japanische Studie mit 56 wenig aktiven Frauen mittleren Alters zeigte zudem, dass Krafttraining die Dermis verdickte, während Ausdauertraining diesen Effekt nicht hatte. Drei der Studienautoren pflegten jedoch Verbindungen zu einem Kosmetikunternehmen, weshalb dieses Ergebnis mit Vorsicht einzuordnen ist.
Grundlage sind zwei Übersichtsarbeiten (Michigan), eine Auswertung von 133 Studien, mehrere ergänzende Reviews, eine kleine Biopsiestudie (n=71), eine Studie zu Krafttraining (n=56) und eine Studie zu chemischem Peeling (n=46). Für die allgemeine Richtung – Haut wird dünner – ist die Evidenz solide; für die einzelnen Interventionen ist sie mäßig bis begrenzt.