Gentherapie für ältere Patienten per Medizintourismus
Eine neue Stiftung bietet älteren Patienten Gentherapie außerhalb regulärer klinischer Wege an. Die Behandlungen sind von nationalen Arzneimittelbehörden nicht zugelassen. Dennoch sind die ersten Teilnehmer bereits unterwegs.
Die KHL Foundation, gegründet von Ken Scott und Helga Sands, startet ein Programm, bei dem ältere Erwachsene für experimentelle Gentherapien in Kliniken im Ausland reisen. Es handelt sich um Behandlungen, die in Ländern wie den Vereinigten Staaten oder dem Großteil Europas noch nicht zugelassen sind. Die Stiftung stellt das Programm als Möglichkeit dar, Zugang zu Eingriffen zu schaffen, die sonst noch Jahre von einer Zulassung entfernt wären.
Scott ist seit Jahren im Longevity-Sektor aktiv und gibt an, seit einiger Zeit Selbstversuche mit solchen Behandlungen durchzuführen. Die Initiatoren argumentieren, dass die bestehende Regulierung für Menschen, die jetzt altern und nicht auf zugelassene Therapien warten können, viel zu langsam voranschreite.
Welche Risiken bestehen?
Gentherapie außerhalb eines kontrollierten klinischen Umfelds birgt ernste Risiken. Ohne kontrollierte Bedingungen lässt sich kaum beurteilen, ob eine Behandlung wirkt oder welche Langzeitnebenwirkungen auftreten können. Bei älteren Erwachsenen verschärfen die Folgen des Alterns diese Bedenken zusätzlich: ein weniger widerstandsfähiges Immunsystem sowie eine erhöhte Wahrscheinlichkeit unerwarteter Reaktionen.
Medizintourismus für experimentelle Behandlungen ist nicht neu. Ihn jedoch in einem strukturierten Programm zu organisieren, das gezielt eine bestimmte Bevölkerungsgruppe anspricht, ist ein neuer Schritt. Die entscheidende Frage lautet: Wer trägt das Risiko, wenn etwas schiefgeht, und erhalten die Teilnehmer ausreichend Informationen für eine fundierte Entscheidung?
Regulierung hinkt hinterher
Der Longevity-Sektor wächst rasant. Ebenso wächst die Grauzone zwischen klinischer Forschung und kommerzieller Anwendung. Die nationalen Aufsichtsbehörden sind darauf noch nicht vorbereitet. Das erschwert es Verbrauchern erheblich, Qualität und Sicherheit solcher Angebote einzuschätzen.
Ob das KHL-Programm verwertbare Daten zur Wirksamkeit liefern wird, ist offen. Ohne standardisierte Messverfahren und eine Kontrollgruppe lassen sich Ergebnisse wissenschaftlich kaum interpretieren. Genau das ist die Kritik, die der Selbstexperimentierkultur in der Longevity-Welt seit Langem entgegengebracht wird.
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