Genveränderter Schweinenieren ebnet den Weg für eine menschliche Niere
Zwei Patienten erhielten zunächst eine Niere vom genetisch veränderten Schwein und Monate später eine menschliche Niere. Beide Transplantationen verliefen erfolgreich. Das zeigt, dass ein tierisches Organ vorübergehend am Leben halten kann, bis ein menschliches Spenderorgan verfügbar wird.
Xenotransplantation, die Übertragung von Organen zwischen verschiedenen Spezies, ist seit Jahrzehnten ein Forschungskonzept, hat sich in der Praxis aber als außerordentlich schwierig erwiesen. Eine zentrale Sorge war stets, ob die Entfernung einer Schweineniere und die spätere Transplantation einer menschlichen Niere dazu führen könnte, dass der Körper Antikörper bildet, die das menschliche Organ angreifen. Auf Grundlage von Versuchen mit Primaten hielten Wissenschaftler des Biotechnologieunternehmens eGenesis dieses Szenario für unwahrscheinlich.
Die Forscher haben nun Bestätigung von zwei Patienten. Nachdem die Schweineniere entfernt worden war, kehrte jeder Patient für mehrere Monate zur Dialyse zurück, bis ein menschliches Spenderorgan verfügbar wurde. Beide erhielten anschließend erfolgreich eine menschliche Niere. Die Schweineniere diente damit als zeitliche Überbrückung.
Was das für den Organmangel bedeutet
Jedes Jahr sterben Menschen auf den Wartelisten für Organtransplantationen. Genetisch veränderte Schweine gelten als möglicher Ausweg: Ihre Organe sind in der Größe mit menschlichen vergleichbar und lassen sich per Genveränderung so anpassen, dass das Risiko einer Abstoßung sinkt. Die entscheidende Frage war immer, ob ein tierisches Organ den Weg zu einem menschlichen versperrt. Dies sind die ersten zwei Fälle, die zeigen, dass das nicht zwangsläufig so ist.
Der Übergang verlief nicht reibungslos. Beide Patienten mussten nach der Entfernung der Schweineniere monatelang wieder zur Dialyse. Doch die Phase ohne Dialyse, in der die Schweineniere ihre Funktion übernahm, bedeutete für die Betroffenen eine spürbare Verbesserung ihrer Lebensqualität.
Frühes Stadium, viele offene Fragen
Es handelt sich um zwei Fallberichte, keine randomisierte Studie. Langfristige Sicherheitsdaten, die Frage nach der geeigneten Patientengruppe und die dauerhaften Auswirkungen tierischer Organe auf das Immunsystem sind bislang kaum untersucht. Für Anwendungen im Bereich des gesunden Alterns, bei denen die Organfunktion im späteren Leben im Mittelpunkt steht, bleibt die Xenotransplantation vorerst eine ferne Perspektive.
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