Kindheits-Chemotherapie hinterlässt Alterungsspuren in der Leber
Kinder, die eine platinbasierte Chemotherapie erhalten, tragen möglicherweise dauerhaften DNA-Schaden in ihren Leberzellen. Eine neue Studie zeigt, dass die Behandlung Mutationsmuster hinterlässt, die beschleunigtem Altern ähneln.
Platinbasierte Chemotherapeutika wie Cisplatin und Carboplatin haben die Überlebenschancen für Kinder mit Hepatoblastom, einem seltenen Leberkrebs, grundlegend verändert. Die Fünfjahresüberlebensrate stieg von rund 20 % auf mehr als 80 % bei lokal begrenzten Tumoren. Doch diese Wirkstoffe entfalten ihre Wirkung, indem sie DNA schädigen – auch in gesunden Zellen. Die Studie, veröffentlicht in Science, kartiert nun das Ausmaß dieses Schadens in den Lebern von Kindern, die wegen eines Hepatoblastoms behandelt wurden.
Die Forschenden analysierten Leberzellen von Kindern, die Cisplatin oder Carboplatin erhalten hatten. Sie fanden weitreichende und charakteristische Mutationsmuster in der DNA – eine Art molekularen Fingerabdruck der Chemotherapie. Diese Muster ähneln teilweise den somatischen Mutationssignaturen, die beim normalen Altern der Leber entstehen, treten jedoch früher und in weitaus größerer Zahl auf, als man erwarten würde.
Langfristiges Krebsrisiko
Somatische Mutationen sind DNA-Veränderungen in Körperzellen, die sich im Laufe eines Lebens allmählich ansammeln. Die Befunde legen nahe, dass Kinder nach einer Platin-Chemotherapie ins Erwachsenenalter starten könnten, während ihre Leber bereits eine deutlich höhere Mutationslast trägt. Die Forschenden weisen vorsichtig darauf hin, dass dies langfristig das Risiko für Zweittumore erhöhen könnte. Ob und in welchem Ausmaß sich dieses Risiko tatsächlich realisiert, lässt sich allein auf Basis dieser Studie nicht beantworten.
Nutzen und Risiko abwägen
Aus der Perspektive der Langlebigkeitsforschung ist das ein bemerkenswerter Befund: Eine lebensrettende Krebstherapie kann das biologische Alter eines Organs beschleunigen. An den aktuellen Behandlungsempfehlungen ändert das nichts, denn die Alternativen sind häufig schlechter. Es unterstreicht aber, warum die langfristige Nachsorge von Krebsüberlebenden aus der Kindheit so wichtig ist. Die Ergebnisse beziehen sich konkret auf die untersuchte Patientengruppe.
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