Wirkt Alpha-Ketoglutarat gegen das Altern?
In Tierversuchen verlängert AKG die Lebensdauer deutlich, beim Menschen fehlt bislang jedoch solide Evidenz. Warte auf die Ergebnisse der laufenden randomisierten Studie, bevor du Schlüsse ziehst oder ein Nahrungsergänzungsmittel einnimmst.
In Tierversuchen verlängert AKG (Alpha-Ketoglutarat) nachweislich die Lebensdauer. Bei Fadenwürmern geschieht das über die Hemmung eines zellulären Energieerzeugers und eines Wachstumssignalwegs, der auch den Alterungsprozess steuert. Bei Fruchtfliegen zeigte sich ebenfalls eine Lebensverlängerung, allerdings auf Kosten der Fortpflanzung. Fadenwürmer und Fruchtfliegen unterscheiden sich jedoch grundlegend vom Menschen.
Auf Zellebene zeigt Laborforschung aus dem Jahr 2025, dass AKG die Alterung von Knochenmark-Stammzellen bremst, unter anderem indem es die Ansammlung beschädigter Proteine verringert. Bei alten Mäusen verbesserte eine Substanz, die die körpereigene AKG-Produktion ankurbelt, Kognition, Knochendichte und Hautqualität. Dazu gibt es bisher nur Mäusedaten.
Beim Menschen ist die Datenlage dünn. Eine Studie mit 42 Teilnehmern ohne Placebogruppe berichtete, dass das AKG-Nahrungsergänzungsmittel Rejuvant das biologische Alter auf einer DNA-Methylierungsuhr im Schnitt um 8 Jahre senkte. Ohne Kontrollgruppe lässt sich dieser Effekt nicht dem Präparat zuschreiben, zumal der Hersteller am Studiendesign beteiligt war. Eine Übersichtsarbeit kam zu dem Schluss, dass bis dahin keine Humanstudien vorlagen, die eine Anti-Aging-Wirkung von AKG wirklich belegen.
Die Studie, die das klären soll, läuft noch. Die ABLE-Studie ist eine doppelblinde, placebokontrollierte Untersuchung mit 120 gesunden Erwachsenen im Alter von 40 bis 60 Jahren, die Calcium-AKG (1 Gramm, sechs Monate) prüft. Die Rekrutierung ist abgeschlossen, Ergebnisse gibt es bislang nicht. Erst wenn diese vorliegen, lässt sich beurteilen, ob AKG beim Menschen hält, was die Tierversuche versprechen.
Die Evidenz stammt aus Tierversuchen (Fadenwurm, Fruchtfliege, Maus), Laborstudien, Übersichtsarbeiten und einer einzigen unkontrollierten Kleinstudie am Menschen mit kommerzieller Beteiligung. Die einzige randomisierte Humanstudie (ABLE) hat noch keine Ergebnisse veröffentlicht.