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Forschung · Zellen & DNA

Nacktmulle altern ohne es zu zeigen – und ihre Haut liefert entscheidende Hinweise

Redaktion LongevityWatch · 9. Mai 2026 · 2 min · English

Eine dreijährige Maus steht kurz vor dem Ende ihres Lebens. Ein dreißigjähriger Nacktmull sieht kaum anders aus als mit fünf. Forscher versuchen systematisch zu verstehen, warum – und die Haut erweist sich dabei als besonders aufschlussreicher Ausgangspunkt.

Der Nacktmull ist das Kuriosum unter den Säugetieren. Er lebt zehnmal länger als ähnlich große Nagetiere, erkrankt kaum an Krebs und zeigt die meisten körperlichen Verfallserscheinungen erst unmittelbar vor dem Tod. Genau diese Eigenschaft, in der Wissenschaft als komprimierte Morbidität bezeichnet – also Krankheit, die auf das Lebensende konzentriert ist – wollen Altersforscher verstehen und eines Tages auf den Menschen übertragen.

Eine aktuelle Studie, die über Fight Aging veröffentlicht wurde, untersuchte die Haut dieser Tiere. Haut eignet sich besonders gut als Forschungsobjekt: Sie altert sichtbar, lässt sich leicht beproben, und ihre Veränderungen spiegeln Prozesse wider, die tief im Körperinneren ablaufen. Bei Menschen und gewöhnlichen Mäusen wird die Haut im Laufe des Lebens dünner, steifer und weniger elastisch. Was aber geschieht beim Nacktmull?

Kollagen, das nicht verhärtet – und eine Matrix, die jung bleibt

Forscher analysierten die extrazelluläre Matrix der Nacktmullhaut – das molekulare Gerüst aus Proteinen, Fasern und Zuckermolekülen, das Hautzellen umgibt und stützt. Bei gewöhnlichen Mäusen und beim Menschen kommt es im Alter zur Ansammlung von sogenanntem quervernetztem Kollagen: Kollagenfasern, die sich chemisch miteinander verbinden und verhärten. Diese Quervernetzung macht Gewebe steifer, vermindert die Elastizität und beeinträchtigt die Zellfunktion.

Beim Nacktmull blieben diese Quervernetzungsmuster selbst im hohen Alter bemerkenswert stabil. Die Matrixzusammensetzung alter Tiere ähnelte der junger Tiere weit mehr, als Forscher das bei alternden Mäusen beobachten. Darüber hinaus blieben die Konzentrationen von Hyaluronsäure – einem Molekül, das Feuchtigkeit bindet und dem Gewebe seine Widerstandsfähigkeit verleiht – bei Nacktmullen durchgehend hoch. Frühere Studien hatten bereits gezeigt, dass diese Tiere eine besonders lange Variante der Hyaluronsäure produzieren, die mit einer erhöhten Resistenz gegen Krebszellen in Verbindung gebracht wird.

Vom Nacktmull zum Menschen: weit entfernt oder näher als erwartet?

Die praktische Übertragbarkeit ist kompliziert. Nacktmulle sind evolutionär weit vom Menschen entfernt und tragen einzigartige genetische Anpassungen, die durch Millionen Jahre der Selektion geprägt wurden. Ein Molekül einfach zu isolieren und Menschen zu verabreichen funktioniert selten.

Dennoch fügen sich die Befunde in eine breitere Debatte ein. Sie untermauern die Idee – die auch durch die an anderer Stelle diskutierte Nature Aging-Forschung zur extrazellulären Matrix gestützt wird – dass die extrazelluläre Matrix eine zentrale Rolle dabei spielt, wie schnell ein Organismus altert. Bleibt die Matrix jung, funktionieren auch die darin eingebetteten Zellen länger. Das macht die Stabilisierung der Matrix zu einem potenziell interessanten Interventionsziel, auch wenn der Weg von der Nacktmullbiologie zur klinischen Anwendung beim Menschen noch lang und ungewiss ist.

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