NAD+-Kombinationsbehandlung stellt Muskeln und Knochen alter Mäuse wieder her
Ein Nahrungsergänzungsmittel aufzufüllen hilft ein wenig. Doch was, wenn man gleichzeitig das Leck stopft? Forscher haben genau diese Kombinationsstrategie für NAD+ getestet – mit bemerkenswerten Ergebnissen bei alten Mäusen.
NAD+ (Nicotinamidadenindinukleotid) ist ein Molekül, das in jeder Körperzelle vorkommt und dort eine zentrale Rolle im Energiestoffwechsel, bei der DNA-Reparatur und bei der Regulation von Proteinen spielt, die den Alterungsprozess verlangsamen – den sogenannten Sirtuinen. Das Problem: Mit zunehmendem Alter sinkt die NAD+-Konzentration in den meisten Geweben stark ab, und dieser Rückgang wird mit Muskelschwäche, Knochenschwund und eingeschränkter Stoffwechselfunktion in Verbindung gebracht.
Forscher verabreichten alten Mäusen gleichzeitig eine Kombination aus NMN (Nicotinamidmononukleotid), einer Vorstufe, die der Körper in NAD+ umwandelt, und Apigenin, einem pflanzlichen Wirkstoff, der das Enzym CD38 hemmt. CD38 ist einer der wichtigsten NAD+-Verbraucher im Körper und wird mit dem Alter zunehmend aktiver. Indem Nachschub und Verbrauch gleichzeitig reguliert wurden, stiegen die NAD+-Spiegel deutlich stärker als mit jedem der beiden Wirkstoffe allein, berichtet Lifespan.io.
Messbare Verbesserungen bei Muskelfunktion und Knochenstruktur
Die Effekte zeigten sich in zwei Systemen, die im Alter typischerweise stark nachlassen: Muskeln und Knochen. Mäuse, die die Kombinationsbehandlung erhielten, wiesen eine verbesserte Muskelfunktion auf – gemessen an Griffstärke und Laufbandleistung – sowie eine höhere Knochendichte und eine bessere Knochenstruktur. Beide Verbesserungen waren ausgeprägter als in den Gruppen, die nur NMN oder nur Apigenin erhielten.
Das klingt vielversprechend, doch ist Vorsicht geboten: Mausstudien lassen sich nicht zuverlässig auf den Menschen übertragen. Die NAD+-Supplementierung über Vorstufen wie NMN oder NR (Nicotinamidribosid) wurde beim Menschen bereits umfangreich untersucht, und die bisherigen Ergebnisse sind bescheiden – messbare Anstiege der NAD+-Spiegel, aber klinisch begrenztere Wirkungen als bei Mäusen. Ob die hier getestete Kombinationsstrategie beim Menschen zu denselben Resultaten führen würde, ist nach wie vor offen.
Warum die Kombinationsstrategie einleuchtet
Was diese Forschung so überzeugend macht, ist die zugrunde liegende Logik. Die meisten Supplementierungsstrategien konzentrieren sich auf eine Seite des Problems: mehr zuführen. Bleibt das „Leck" im System – in diesem Fall CD38 – jedoch offen, ist der Effekt begrenzt. Indem beide Seiten gleichzeitig angegangen werden, gewissermaßen in einer Zangenbewegung auf den NAD+-Stoffwechsel, fällt der Nettogewinn größer aus. Dieses Prinzip hat weitreichende Anwendungsmöglichkeiten und könnte den Weg für künftige Kombinationstherapien bei altersbedingten Erkrankungen weisen.