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Forschung · Muskeln & Bewegung

Wenn die Leber Laktat nicht mehr abbaut, schwindet die Muskelmasse

Redaktion LongevityWatch · 18. September 2026 · 2 min · English

Altersbedingte Muskelverluste werden meist auf Bewegungsmangel oder schlechte Ernährung zurückgeführt. Eine neue Studie zeigt einen anderen Mechanismus: eine gestörte Wechselwirkung zwischen Leber und Muskulatur, bei der Laktat – das Stoffwechselprodukt körperlicher Anstrengung – eine zentrale Rolle spielt. Und die Leber steht dabei stärker im Mittelpunkt, als bisher angenommen.

Sarkopenie – der medizinische Begriff für den schweren altersbedingten Verlust von Muskelmasse und Muskelkraft – betrifft viele ältere Menschen und ist eng mit Stürzen, eingeschränkter Beweglichkeit und erhöhter Sterblichkeit verbunden. Über die Ursachen wird seit Jahren diskutiert. Eine neue Studie, erschienen in Science Advances, bringt einen bislang kaum beachteten Mechanismus ins Spiel: eine gestörte Laktatverwertung in der Leber.

Die Forschenden stellten fest, dass die Leber alternder Mäuse ihre Fähigkeit verliert, das bei körperlicher Aktivität anfallende Laktat abzubauen. Das Laktat reichert sich im Muskelgewebe an und führt dort zur Übersäuerung der Zellen – einer sogenannten Laktatazidose. Diese Übersäuerung beeinträchtigt die normale Funktion der Muskelzellen und trägt so zur Schwäche und dem Masseverlust bei, die die Sarkopenie kennzeichnen.

Die Leber als unerwartetes Schlüsselorgan

Die meisten Sarkopenie-Studien konzentrieren sich darauf, was innerhalb der Muskelzellen selbst schiefläuft. Der eigentliche Kern dieser Arbeit liegt woanders: Die Leber schädigt die Skelettmuskulatur indirekt, weil sie im Alter Laktat nicht mehr effizient verarbeitet. Zudem zeigte die Studie, dass ein Rückgang des NAD+-Spiegels – eines Moleküls, das für die zelluläre Energiegewinnung unverzichtbar ist – an der durch die Laktatazidose ausgelösten Muskeldysfunktion beteiligt ist.

Als die Forschenden das Protein HIF1α experimentell gezielt in der Leber alternder Mäuse aktivierten, verbesserte sich der Laktatabbau und der Muskelschaden nahm ab. Ob sich das auf den Menschen übertragen lässt, ist offen – die gesamte Studie wurde an Mausmodellen durchgeführt.

Ein neuer Ansatz für Prävention und Therapie

Wenn die Leber tatsächlich ein zentrales Bindeglied beim altersbedingten Muskelschwund ist, könnte die gezielte Beeinflussung des Leberstoffwechsels zu einer therapeutischen Strategie gegen Sarkopenie werden. Das wäre eine Abkehr von den meisten bisherigen Ansätzen, die direkt auf die Muskulatur abzielen. Es handelt sich noch um vorläufige Befunde aus Tiermodellen, und die Autoren ordnen sie bewusst als neue mechanistische Hypothese ein, nicht als klinische Schlussfolgerung. Der beschriebene Pfad – von der Laktat-Clearance in der Leber über die Muskelübersäuerung bis zur NAD+-Erschöpfung – ist jedoch konkret genug, um weitere Untersuchungen zu rechtfertigen.

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Suchbegriffe zur Vertiefung: lactic acidosis skeletal muscle aging, liver-muscle metabolic axis sarcopenia, HIF1alpha lactate clearance aging

Was sagt die Evidenz dazu?
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