Schlafapnoe lässt Blutgefäße schneller altern – Forscher kennen jetzt den Grund
Schlafapnoe macht nicht nur müde. Neue Forschungsergebnisse zeigen, dass die Erkrankung die vaskuläre Alterung über einen spezifischen biologischen Mechanismus beschleunigt – einen, den Wissenschaftler möglicherweise bereits ins Visier nehmen können.
Schlafapnoe betrifft weltweit hunderte Millionen Menschen, die meisten davon undiagnostiziert. Im Schlaf kollabiert die Atemwege immer wieder, was zu kurzen, aber häufigen Atemaussetzern und Sauerstoffabfällen führt. Die Erkrankung ist seit Langem mit einem erhöhten Herz-Kreislauf-Risiko, höheren Raten von Bluthochdruck, Herzinfarkt und Schlaganfall verbunden. Doch der genaue biologische Pfad, der diese nächtlichen Sauerstoffeinbrüche mit geschädigten Arterien verbindet, blieb bislang unklar. Eine neue Mausstudie macht nun einen Verursacher aus: zelluläre Seneszenz.
Zellen, die nicht mehr arbeiten, aber auch nicht sterben
Seneszente Zellen sind beschädigte oder gestresste Zellen, die sich nicht mehr teilen, aber dem normalen Prozess des programmierten Zelltods entgehen. Stattdessen reichern sie sich im Gewebe an und schütten kontinuierlich einen Cocktail aus Entzündungsproteinen aus – einen Zustand, den Forscher als seneszenzassoziierter sekretorischer Phänotyp, kurz SASP, bezeichnen. Diese chronische Entzündung auf niedrigem Niveau schädigt das umliegende Gewebe. In Blutgefäßen äußert sie sich als Versteifung, Verkalkung und beschleunigter Entwicklung zur Atherosklerose.
In der neuen Studie setzten Forscher Mäuse einer intermittierenden Hypoxie aus – also wiederholten kurzen Phasen mit niedrigem Sauerstoffgehalt –, um das Muster der Sauerstoffunterversorgung bei Schlafapnoe-Episoden nachzuahmen. Die Mäuse entwickelten eine deutlich höhere Belastung durch seneszente Zellen in ihren Gefäßwänden, begleitet von messbaren Verschlechterungen der Herzkreislauffunktion. Als die Forscher die Tiere mit Senolytika behandelten – Wirkstoffen, die gezielt seneszente Zellen beseitigen –, verbesserte sich die Gefäßfunktion. Die Kausalkette von Hypoxie über Seneszenz und vaskuläre Dysfunktion bis hin zur Erholung durch senolytische Intervention bestätigte sich in mehreren Messgrößen.
Was das über das Mausmodell hinaus bedeutet
Der Befund fügt sich in eine breitere Forschungsströmung ein, die zelluläre Seneszenz als zentralen Treiber gleich mehrerer altersbedingter Krankheiten betrachtet – und nicht bloß als Begleiterscheinung einzelner Erkrankungen. Senolytische Wirkstoffe befinden sich bereits in klinischen Studien für Erkrankungen von der Lungenfibrose bis zur diabetischen Nierenerkrankung. Ob sie vaskuläre Alterung beim Menschen mit Schlafapnoe rückgängig machen können, ist noch nicht bekannt.
Die derzeit gängige Standardtherapie der Schlafapnoe, die CPAP-Therapie, die die Atemwege im Schlaf offenhält, lindert Symptome und senkt das Herz-Kreislauf-Risiko, kehrt aber bestehende Gefäßschäden nicht um. Wenn sich die seneszente Zellbelastung über Jahre einer unbehandelten oder unzureichend behandelten Apnoe angehäuft hat, reicht CPAP allein möglicherweise nicht aus, um die bereits eingetretene biologische Alterung rückgängig zu machen. Die Frage ist nun, ob Senolytika als Ergänzungstherapie dienen könnten – nicht nur zur Kontrolle der Erkrankung, sondern zur aktiven Reparatur der dadurch verursachten Gefäßschäden. Klinische Studien am Menschen, die diese Hypothese prüfen, gibt es bislang nicht.