Schlafendes Gehirn verrät Demenzrisiko Jahrzehnte früh
Im Schlaf sendet das Gehirn möglicherweise Signale darüber, wie schnell es altert. Eine Analyse von nächtlichen Hirnwellenaufzeichnungen mittels maschinellem Lernen sagte das Demenzrisiko voraus, lange bevor Gedächtnissymptome auftraten.
Forschende analysierten EEG-Aufzeichnungen von rund 7.000 Erwachsenen. Ein EEG (Elektroenzephalogramm) misst die elektrische Aktivität des Gehirns über Elektroden auf der Kopfhaut während des Schlafs. Der Algorithmus berechnete auf Grundlage dieser Schlafmuster ein „Gehirnalter" für jede Teilnehmerin und jeden Teilnehmer.
Das Ergebnis war bemerkenswert. Menschen, deren geschätztes Gehirnalter ihr tatsächliches Lebensalter überstieg, wiesen ein deutlich erhöhtes Demenzrisiko auf. Laut den Forschenden stieg das Demenzrisiko mit jedem zusätzlichen Jahrzehnt an Hirnalterung um fast 40 Prozent. Das ist ein erheblicher Wert, wobei die Studie einen Zusammenhang zeigt, keine bewiesene Ursache.
Warum Schlaf ein so nützlicher Maßstab ist
Im Schlaf führt das Gehirn Wartungsarbeiten durch. Abfallproteine werden über das glymphatische System abtransportiert, ein Netzwerk von Kanälen rund um die Blutgefäße, das im Tiefschlaf am effizientesten arbeitet. Mit zunehmendem Hirnalter verändert sich das Muster der Schlafoszillationen. Diese Veränderung lässt sich nachweisen, noch bevor eine Person selbst Symptome bemerkt.
Das Konzept einer „Gehirnalter-Uhr" ist nicht neu, doch frühere Ansätze waren teuer und aufwendig. EEG-Aufzeichnungen, die im Rahmen routinemäßiger Schlafuntersuchungen gewonnen werden, sind vergleichsweise leicht zugänglich. Sollten sich Analysen dieser Art im großen Maßstab als zuverlässig erweisen, könnte eine frühzeitige Erkennung des Demenzrisikos grundsätzlich breiter verfügbar werden.
Was die Studie noch nicht beweist
Die Studie ist beobachtender Natur: Menschen mit einem höheren Gehirnalter erkrankten häufiger an Demenz, doch das bedeutet nicht, dass ein geringeres Gehirnalter die Erkrankung verhindert. Ungeklärt bleibt auch, welche Faktoren das Gehirnalter am stärksten beeinflussen. Schlafqualität, genetische Veranlagung, Lebensstil und bestehende Erkrankungen spielen alle eine Rolle.
Aus einer Langlebigkeitsperspektive ist der Befund dennoch beachtenswert. Schlaf ist einer der wenigen Lebensstilfaktoren, den Menschen aktiv beeinflussen können. Wenn Schlafmuster tatsächlich ein frühes Signal für eine beschleunigte Hirnalterung sind, spricht das umso mehr dafür, Schlaf als ernsthaften Baustein der Prävention zu betrachten.
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