Seneszente Zellen gezielt ausschalten reduziert Entzündungen nach Chemotherapie
Chemotherapie rettet Leben, beschleunigt aber die biologische Alterung des Körpers. Neue Forschungsergebnisse identifizieren einen molekularen Schalter in seneszenten Zellen, der einen Großteil dieser Schäden antreibt, und zeigen, dass er sich pharmakologisch herunterregeln lässt.
Wenn Zellen aufhören, sich zu teilen, aber nicht absterben, treten sie in einen Zustand namens zelluläre Seneszenz ein. Diese Zellen setzen einen Cocktail aus entzündlichen Molekülen frei, bekannt als SASP (seneszenzassoziierter sekretorischer Phänotyp), der chronische Entzündungen befeuert und zur Gewebedysfunktion beiträgt. Chemotherapie drängt eine große Anzahl von Zellen in diesen Zustand und verstärkt so die langfristigen Nebenwirkungen.
Die Forschenden, die ihre Ergebnisse in Nature Aging veröffentlichten, stellten fest, dass CDK4 und CDK6, Proteine die vor allem für ihre Rolle bei der Regulierung des Zellzyklus bekannt sind, auch steuern, wie entzündlich seneszente Zellen werden. Dies geschieht über eine Signalachse, an der der Retinsäurerezeptor alpha (RARα) und der zentrale Entzündungsregulator NF-κB beteiligt sind.
Hemmung der Achse verbessert die Funktion in Modellen
Die pharmakologische Hemmung dieser CDK4/6–RARα–NF-κB-Achse reduzierte die Entzündungsaktivität seneszenter Zellen. In Tiermodellen verbesserte sich die körperliche Leistungsfähigkeit sowohl im normalen Alterungsprozess als auch nach chemotherapiebedingten Gewebeschäden. Es handelt sich um präklinische Ergebnisse; die Übertragung auf den Menschen erfordert weitere klinische Untersuchungen.
CDK4/6-Inhibitoren sind bereits als Krebsmedikamente zugelassen. Dieser Befund eröffnet die Möglichkeit, dass sie einen zusätzlichen, potenziell vorteilhaften Effekt besitzen: die Dämpfung von Entzündungen aus seneszenten Zellen. Ob dies außerhalb der Krebsbehandlung klinisch relevant ist, bleibt eine offene Frage.
Ein anderer Ansatz bei seneszenten Zellen
Ein Großteil der Forschung auf diesem Gebiet konzentriert sich darauf, seneszente Zellen vollständig zu eliminieren. Diese Studie schlägt einen komplementären Ansatz vor: nicht die Zellen zu zerstören, sondern ihre Entzündungsaktivität zu unterdrücken. Aus der Perspektive der Langlebigkeitsforschung sind der Einsatz einer bereits zugelassenen Wirkstoffklasse und die messbaren funktionellen Verbesserungen in Modellen bemerkenswert, wenngleich die Übertragbarkeit vom Tier auf den Menschen mit Vorsicht zu betrachten ist.
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