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Forschung · Hormone

Warum Männer und Frauen unterschiedlich altern – und warum Anti-Aging-Therapien diesen Unterschied ignorieren

Redaktion LongevityWatch · 14. April 2026 · 2 min · English

Die meisten Anti-Aging-Interventionen, die bei Mäusen wirken, zeigen bei Weibchen bessere Ergebnisse als bei Männchen – oder umgekehrt. Dennoch untersucht die große Mehrheit der Studien diesen Unterschied kaum. Eine neue Übersichtsarbeit zeigt, wie groß dieser blinde Fleck tatsächlich ist.

Frauen leben im Durchschnitt länger als Männer, verbringen aber einen größeren Teil dieser gewonnenen Jahre mit chronischen Erkrankungen. Männer sterben früher, sind in der Zeit vor dem Tod jedoch tendenziell gesünder. Dieses Muster zeigt sich in Dutzenden von Ländern und Kulturen. Die biologische Erklärung dafür bleibt jedoch überraschend unklar. Eine auf Fight Aging! veröffentlichte Übersichtsarbeit fasst zusammen, was die Forschung bislang herausgefunden hat.

Bei Mäusen sind die geschlechtsspezifischen Unterschiede gut belegt. Kalorienrestriktion verlängert die Lebensspanne bei weiblichen Mäusen erheblich, bei männlichen hingegen deutlich weniger. Rapamycin, ein Wirkstoff, der den mTOR-Signalweg hemmt und Alterungsprozesse beeinflusst, wirkt bei Weibchen besser. Metformin, ein Diabetes-Medikament, das auch als Anti-Aging-Mittel erforscht wird, zeigt positive Effekte vor allem bei männlichen Mäusen. Das Muster ist eindeutig: Viele Interventionen wirken – doch wer am stärksten davon profitiert, hängt stark vom Geschlecht ab.

Hormone, Mitochondrien – und noch etwas anderes

Die naheliegende Erklärung ist hormoneller Natur: Östrogen schützt das Herz-Kreislauf-System, das Immunsystem und möglicherweise das Gehirn. Nach der Menopause fällt dieser Schutz weg, und der Alterungsprozess beschleunigt sich bei Frauen in mehrfacher Hinsicht. Doch das allein erklärt nicht alles. Selbst bei kastrierten Mäusen, denen die Geschlechtshormone entzogen wurden, bleiben Unterschiede in der Lebensdauer zwischen den Geschlechtern bestehen. Das deutet auf Mechanismen hin, die tiefer liegen als die Hormonebene.

Eine weitere Hypothese richtet den Blick auf die Mitochondrien, die energieerzeugenden Organellen der Zelle. Mitochondriale DNA wird ausschließlich über die Mutter vererbt. Da Mitochondrien niemals im Körper eines Männchens „erprobt" werden, können sich Mutationen, die für Männchen schädlich sind, unbemerkt über Generationen hinweg ansammeln. Diese Idee, bekannt als „Mother's Curse"-Hypothese, ist nach wie vor umstritten, wurde aber auch nicht widerlegt.

Was das für die aktuelle Forschung bedeutet

Das dringendste Problem ist methodischer Natur. Viele Altersstudien verwenden ausschließlich männliche Versuchstiere, um hormonelle Schwankungen zu vermeiden. Klinische Studien am Menschen schlüsseln Ergebnisse selten nach Geschlecht auf. Und die Interventionen, die derzeit in klinischen Studien getestet werden – darunter Rapamycin, senolytische Wirkstoffe, die gealterte Zellen beseitigen, sowie NAD+-Präparate – wurden kaum mit Blick auf geschlechtsspezifische Unterschiede konzipiert.

Sollten die geschlechtsspezifischen Unterschiede beim Menschen auch nur annähernd so groß sein wie bei Mäusen, könnte das bedeuten, dass etwa die Hälfte der Bevölkerung von bestimmten Interventionen weniger profitiert – oder durch sie sogar Schaden nimmt. Die Übersichtsarbeit beantwortet nicht, warum diese Unterschiede bestehen. Sie macht jedoch deutlich, dass eine Antwort dringend gefunden werden muss.

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