longevitywatch
Forschung · Alternsuhren

Wearables erkennen Krankheiten, bevor Symptome auftreten

Redaktion LongevityWatch · 30. August 2026 · 1 min · English

Die Medizin wartet meist, bis man krank ist, bevor sie irgendetwas misst. Doch was, wenn der Körper ein Problem schon Wochen früher ankündigt? Genau diese Frage treibt den Stanford-Genomforscher Michael Snyder an.

Snyder, Direktor des Center for Genomics and Personalized Medicine an der Stanford University, plädiert für einen grundlegenden Wandel: weg von der Krankheitserkennung, hin zur kontinuierlichen Gesundheitsüberwachung. Sein wichtigstes Werkzeug dabei sind Wearables, also am Körper getragene Messgeräte. In einem von Lifespan.io veröffentlichten Interview beschreibt er, wie sein Team mit handelsüblichen Geräten Infektionen erkannte, bevor die Betroffenen sich krank fühlten. In seinem eigenen Fall war es Lyme-Borreliose. Die Forschenden stellten einen Abfall seines Blutsauerstoffs fest, noch bevor Symptome auftraten.

Der persönliche Ausgangswert als Maßstab

Das Kernprinzip ist der individuelle Ausgangswert. Wearables messen fortlaufend, auch in gesunden Phasen. Das System weiß daher, wie der normale Ruhepuls, die Herzratenvariabilität (die Schwankung des zeitlichen Abstands zwischen aufeinanderfolgenden Herzschlägen) und die Sauerstoffsättigung einer Person aussehen. Eine Abweichung von diesem persönlichen Normalwert gilt als frühes Warnsignal, selbst wenn die Werte noch im bevölkerungsweiten Durchschnittsbereich liegen.

Snyders Team belegte dies für COVID-19 in Zusammenarbeit mit Fitbit. Bei Personen mit längeren symptomfreien Frühphasen konnte eine algorithmische Auswertung von Herzfrequenz und verwandten Signalen die Infektion erkennen, bevor Beschwerden einsetzten. Bei Influenza ist dieses Zeitfenster kürzer, eine Früherkennung war dennoch möglich.

Ageotypes und die Zukunft der Langlebigkeitsmessung

Neben der Infektionserkennung erforscht Snyder individuelle Alterungsmuster. Er prägte das Konzept der Ageotypes: persönliche Alterungsprofile, die beschreiben, in welchen Organsystemen ein Mensch am schnellsten altert. Außerdem entwickelt er die sogenannte intrinsische Kapazität, also ein Maß für die körperliche Gesamtleistungsfähigkeit, das in der Langlebigkeitsforschung und bei Medikamentenstudien eingesetzt werden soll. Ob diese Messgrößen bereits klinisch nutzbar sind, wird derzeit noch untersucht.

Seine übergeordnete Botschaft ist klar: Das heutige Gesundheitssystem reagiert auf Krankheit. Vorsorge braucht Systeme, die dauerhaft messen, Abweichungen frühzeitig melden und eingreifen, bevor Schäden entstehen.

Den Originalartikel lesen

Want to research this yourself?

Search for example:

  • longitudinal health monitoring wearables
  • heart rate variability aging
  • ageotype individual aging profile
Was sagt die Evidenz dazu?
Verrät dir deine Telomerlänge etwas Nützliches über deine Gesundheit?
Verwandte Forschung
06 Aug
Biologisches Alter sagt Sterberisiko nach Operationen voraus
05 Aug
Alterungsuhren messen biologisches Alter in Bevölkerungsgruppen mit gemischter Abstammung falsch
01 Aug
Bluttest sagt Lebererkrankung sechzehn Jahre im Voraus vorher
Newsletter

Bleib auf dem Laufenden

Zweimal pro Woche die wichtigste Longevity-Forschung in deinem Postfach.