Zwei Proteine blockieren Lungenfibrose im Tiermodell – ein neuer Ansatzpunkt für eine hartnäckige Krankheit
Lungenfibrose gehört zu den schwierigsten altersbedingten Krankheiten überhaupt. Narbengewebe verdrängt gesundes Lungengewebe, die Atmung wird zunehmend beschwerlicher, und wirksame Therapien sind rar. Zwei kaum bekannte Proteine könnten den entscheidenden Hinweis liefern.
Forschende, die Alterungsprozesse in der Lunge untersuchen, haben festgestellt, dass zwei Proteine – ID1 und ID3 – in bestimmten Lungenzellen während einer Fibrose krankhaft überexprimiert werden. ID-Proteine (Inhibitors of Differentiation) sind Transkriptionsfaktoren: molekulare Schalter, die bestimmen, welche Gene in einer Zelle aktiv sind. Unter normalen Umständen spielen sie eine Rolle bei Zellwachstum und -differenzierung, doch bei der Lungenfibrose scheinen sie die Überaktivität von Fibroblasten anzutreiben – jenen Zellen, die für die Bildung von Narbengewebe verantwortlich sind.
Indem die Forschenden die Expression von ID1 und ID3 mithilfe gezielter molekularer Techniken reduzierten, gelang es ihnen, die Fibrose in Tiermodellen zu verringern. Das allein ist kein Durchbruch – viele Substanzen hemmen Fibrose im Tierversuch, scheitern aber beim Menschen –, doch der Befund ergänzt unser Verständnis der biologischen Mechanismen, die der Lungenfibrose zugrunde liegen und sie aufrechterhalten.
Der Zusammenhang mit Alterung und Seneszenz
Für die Longevity-Forschung ist die Studie vor allem wegen ihres größeren Kontexts bedeutsam. Lungenfibrose ist eng mit dem Alter verknüpft: Die Krankheit tritt fast ausschließlich bei Menschen über fünfzig auf, und ihre Häufigkeit steigt mit zunehmendem Alter deutlich an. Es verdichten sich die Hinweise, dass Seneszenz – der Prozess, bei dem Zellen aufhören, sich zu teilen, aber nicht absterben und stattdessen schädliche Signalmoleküle ausschütten – eine treibende Kraft hinter der Fibrose ist. Frühere Studien zeigten, dass das Entfernen seneszenter Zellen im Tiermodell die Fibrose verringern kann. Die neuen Erkenntnisse zu ID1 und ID3 knüpfen nicht direkt an diesen Seneszenz-Pfad an, eröffnen aber eine parallele Spur: Möglicherweise müssen mehrere molekulare Wege gleichzeitig angegangen werden, damit eine Therapie wirklich wirksam ist.
Die Studie wurde auf Fight Aging! veröffentlicht, einer Plattform, die die Forschung zur Alterungsbiologie verfolgt. Die zugrunde liegenden wissenschaftlichen Befunde basieren auf Tierversuchen, was bedeutet, dass eine Übertragung auf die Therapie beim Menschen keineswegs gesichert ist. Die Hemmung von ID-Proteinen könnte zudem in anderen Geweben Nebenwirkungen haben, in denen dieselben Proteine funktionale Aufgaben erfüllen – darunter das Immunsystem und Stammzell-Nischen.
Warum Lungenfibrose so schwer zu behandeln ist
Das Charakteristische an der Fibrose ist, dass der Prozess sich selbst zu verstärken scheint: Einmal gebildetes Narbengewebe verändert die mechanischen Eigenschaften des umliegenden Gewebes auf eine Weise, die weitere Fibrose-Signale befeuert. Die beiden derzeit für die idiopathische Lungenfibrose zugelassenen Medikamente, Pirfenidone und Nintedanib, verlangsamen das Fortschreiten, können den eingetretenen Schaden aber nicht rückgängig machen. Genau diese Unumkehrbarkeit macht die Lungenfibrose als altersbedingte Erkrankung so gefürchtet.
Ob die Hemmung von ID1 und ID3 jemals zu einer klinischen Therapie wird, bleibt ungewiss. Doch die Forschungsarbeit legt ein neues mechanistisches Fundament, auf dem künftige Studien aufbauen können.