Dass Sport gesund ist, weiß jeder – aber den Beweis zu erbringen ist überraschend schwierig
Alle wissen, dass fitte Menschen länger leben und seltener krank werden. Aber zu beweisen, dass Sport tatsächlich die Ursache dieser besseren Gesundheit ist – und nicht umgekehrt –, erweist sich als erstaunlich schwierig. Eine neue Studie nutzt eine clevere genetische Methode, um genau diese Unterscheidung zu treffen.
Das Problem ist ein klassisches der Epidemiologie: Menschen, die regelmäßig Sport treiben, neigen auch dazu, sich besser zu ernähren, weniger Stress zu haben, über höhere Einkommen zu verfügen und besseren Zugang zur Gesundheitsversorgung zu haben. Wie lässt sich der Beitrag von Bewegung von all diesen anderen Faktoren trennen? Die Methode, die zunehmend eingesetzt wird, nennt sich Mendelsche Randomisierung. Sie nutzt genetische Varianten, die natürlicherweise mit einem Merkmal assoziiert sind – in diesem Fall körperliche Fitness – als eine Art „natürliches Experiment". Da die Gene bei der Geburt festgelegt sind und nicht durch Lebensstilentscheidungen beeinflusst werden, können genetische Varianten als neutraler Stellvertreter für das jeweilige Merkmal dienen.
Was Gene über Fitness und Gesundheit verraten
Die Forschenden identifizierten genetische Varianten, die vorhersagen, wie von Natur aus fit eine Person tendenziell ist, und untersuchten dann, ob Menschen mit diesen Varianten auch gesünder sind. Die Logik dahinter: Wenn Fitness tatsächlich bessere Gesundheit verursacht, sollten Menschen mit einer genetischen Veranlagung zu höherer Fitness unabhängig von ihrem tatsächlichen Verhalten bessere Gesundheitsresultate aufweisen. Die Ergebnisse stützen tatsächlich einen kausalen Zusammenhang zwischen physiologischer Fitness und niedrigeren Krankheits- und Sterblichkeitsraten.
Doch die Methode hat ihre Grenzen. Genetische Varianten für Fitness umfassen Merkmale wie Muskelmasse, Lungenkapazität und kardiovaskuläre Effizienz – nicht nur die Neigung, Sport zu treiben. Was die Studie tatsächlich misst, ist zum Teil die angeborene biologische Kapazität, nicht die Gewohnheit regelmäßiger körperlicher Aktivität an sich. Jemand mit genetisch hoher Ausdauerkapazität, der nie trainiert, und jemand mit geringer natürlicher Kapazität, der hart trainiert, sind innerhalb dieses Modells schlicht nicht ohne Weiteres vergleichbar.
Warum diese Forschung dennoch wichtig ist
Dass Sport gesund ist, stand eigentlich nie wirklich infrage. Der Wert dieser Art von Forschung liegt nicht im Ergebnis selbst, sondern in der Belastbarkeit der Belege dahinter. Für politische Maßnahmen und klinische Leitlinien macht es einen wesentlichen Unterschied, ob eine Korrelation oder eine Kausalität nachgewiesen wird. Die Mendelsche Randomisierung bringt uns diesem kausalen Nachweis näher als rein beobachtende Studien – ersetzt aber nicht den Goldstandard der randomisierten kontrollierten Studie. Und genau diese ist für die langfristigen Gesundheitsvorteile von Bewegung beim Menschen kaum durchführbar.