Bekommt man mehr Falten, wenn man viele Gesichtsausdrücke macht?
Gesichtsausdrücke tragen zur Faltenbildung bei, sind aber nur ein Faktor neben Sonnenschäden, Hautalterung und genetischer Veranlagung. Du musst deine Mimik keineswegs unterdrücken: Konsequenter Sonnenschutz hat wahrscheinlich den größeren Effekt.
Gesichtsausdrücke tragen zur Faltenbildung bei, aber der Zusammenhang ist vielschichtiger als er klingt. Bei jeder Bewegung ziehen die Muskeln an der Haut. Passiert das über Jahre, entstehen sogenannte dynamische Falten: die typischen Lachfältchen um die Augen, Stirnfalten und die Falten zwischen den Augenbrauen. Anatomische Untersuchungen bestätigen diesen Mechanismus.
Nicht alle Falten im Gesicht entstehen durch Bewegung. Manche tiefen Furchen, etwa die Nasolabialfalte zwischen Nasenflügeln und Mundwinkeln, sind sogenannte primäre Falten. Sie hängen davon ab, wie die Gesichtsmuskeln über Bindegewebe mit der Haut verbunden sind, nicht davon, wie oft du lachst. Stirnfalten dagegen sind tatsächlich bewegungsbedingt.
Extremer oder dauerhaft übermäßiger Einsatz bestimmter Muskelgruppen, etwa des Stirnmuskels oder des Augenschließmuskels, kann bestehende Falten verstärken. Das gilt als zusätzlicher Faktor neben Hautalterung, Sonnenschäden und genetischer Veranlagung. Konkrete Zahlen fehlen bisher: Wie viele Ausdrücke zu viel sind oder ab welchem Punkt Schäden entstehen, hat die Forschung nicht untersucht.
Sonnenschäden und hormonelle Veränderungen spielen mindestens eine ebenso große Rolle. Studien an Frauen nach den Wechseljahren zeigen, dass Falten rund um die Augen sowohl durch Muskelbewegungen als auch durch UV-Strahlung beeinflusst werden. Welcher der beiden Faktoren stärker wiegt, ist nicht beziffert.
Dass Muskelaktivität wirklich etwas bewirkt, zeigt sich indirekt an Behandlungen, die Muskelbewegungen einschränken: Sowohl injizierbare Verfahren als auch seltene chirurgische Eingriffe führen bei einem Teil der Betroffenen zu weniger Falten. Die chirurgischen Eingriffe waren allerdings mit Nebenwirkungen wie Taubheitsgefühlen, Asymmetrien und teilweisen Lähmungen verbunden, und die untersuchten Gruppen waren klein.
Keine zusammenfassenden Analysen mehrerer Studien verfügbar. Die Evidenz stammt aus anatomischen und klinisch-beschreibenden Untersuchungen, einem Review und kleinen Fallserien. Die Ursache-Wirkungs-Richtung ist biologisch nachvollziehbar, wurde aber nicht in kontrollierten Experimenten nachgewiesen.