Erhöht Diabetes das Knochenbruchrisiko?
Diabetes erhöht das Knochenbruchrisiko nachweislich – auch wenn die Knochendichte scheinbar normal ist. Wer Diabetes hat, sollte Knochengesundheit und Sturzrisiko aktiv in die Vorsorge einbeziehen und mit dem Arzt besprechen, ob die eingesetzte Medikation knochenfreundlich ist.
Diabetes erhöht das Knochenbruchrisiko spürbar – und zwar sowohl bei Typ-1- als auch bei Typ-2-Diabetes. In einer großen prospektiven Studie hatten ältere Frauen mit Typ-2-Diabetes ein um 25 bis 26 % höheres Frakturrisiko, selbst nachdem die Forschenden Alter, Gewicht und Knochendichte berücksichtigt hatten. Je nach Knochen und Krankheitsdauer kann das Risiko bei Typ-2-Diabetes sogar auf das Dreifache ansteigen.
Paradoxerweise haben Menschen mit Typ-2-Diabetes im Schnitt eine höhere Knochendichte als Stoffwechselgesunde – doch das schützt sie nicht. Standardmessungen der Knochenstärke unterschätzen das tatsächliche Bruchrisiko bei Diabetespatientinnen und -patienten systematisch. Die eigentlichen Ursachen liegen woanders: Dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte führen zur Ablagerung schädlicher Zucker-Eiweiß-Verbindungen im Knochengewebe, was den Knochen spröder macht – trotz normaler Dichte. Hinzu kommt, dass sich Knochengewebe bei Diabetes langsamer erneuert.
Eine mindestens ebenso große Rolle spielen die körperlichen Folgen der Erkrankung: In Studien hatten Menschen mit Typ-2-Diabetes fast 10 % weniger Griffstärke, gingen fast 10 % langsamer und hatten größere Mühe, aus dem Sitzen aufzustehen. Diese eingeschränkte Muskelkraft und schlechtere Balance machen, dass ein Sturz häufiger in einem Knochenbruch endet. Lange Krankheitsdauer, Nervenschäden und eine schlecht eingestellte Blutzuckerkontrolle erhöhen das Sturzrisiko zusätzlich.
Auch die Wahl der Diabetesmedikamente spielt eine Rolle. Thiazolidinedione – eine Klasse blutzuckersenkender Tabletten, zu der unter anderem Pioglitazon gehört – werden in der Forschung durchgängig mit einem erhöhten Frakturrisiko in Verbindung gebracht. Bei GLP-1-Rezeptoragonisten wie Semaglutid oder Liraglutid zeigte eine große niederländische Studie mit über 46.000 Teilnehmenden ein zwar moderates, aber reales 11 % höheres Bruchrisiko im Vergleich zu anderen Diabetesmedikamenten. Wenn du Diabetes hast und dir Sorgen um deine Knochengesundheit machst, sprich mit deinem Arzt darüber, welche Medikation für dich geeignet ist – erst recht, wenn du bereits ein erhöhtes Sturzrisiko hast.
Die Aussagen stützen sich auf prospektive Kohorten- und Bevölkerungsstudien, eine Netzwerk-Metaanalyse (117 randomisierte klinische Studien zu Medikamenteneffekten) sowie mehrere systematische Übersichtsarbeiten. Die gefundenen Zusammenhänge sind assoziativ; ein ursächlicher Zusammenhang für das Grundrisiko ist durch randomisierte klinische Studien nicht belegt. Die Befunde zu einzelnen Medikamentenklassen (GLP-1-Rezeptoragonisten, Thiazolidinedione) stammen teilweise aus Beobachtungsstudien.