Erhöht Diabetes das Knochenbruchrisiko?
Sowohl Typ-1- als auch Typ-2-Diabetes erhöhen das Knochenbruchrisiko nachweislich. Wenn du Diabetes hast, frag deinen Arzt, ob deine Knochengesundheit ausreichend überwacht wird – denn der Standard-Risikoscore unterschätzt dieses Risiko.
Diabetes erhöht das Bruchrisiko – das gilt für Typ 1 wie für Typ 2. Mehrere Übersichtsarbeiten und eine Metaanalyse aus zehn Studien mit über 1,2 Millionen Frauen nach den Wechseljahren belegen das einheitlich. Betroffen sind verschiedene Körperstellen, darunter Hüfte und Wirbelsäule.
Bei Typ-1-Diabetes ist die Knochendichte im Schnitt niedriger als bei Menschen ohne Diabetes, was das höhere Bruchrisiko teilweise erklärt. Bei Typ 2 ist das Bild überraschender: Die Knochendichte ist normal oder sogar leicht erhöht, das Bruchrisiko trotzdem größer. Der Grund liegt in der inneren Knochenstruktur. Die äußere Knochenschicht enthält mehr winzige Poren, und das Kollagennetz wird durch schädliche Zucker-Eiweiß-Verbindungen (sogenannte AGEs) spröder, die sich bei dauerhaft erhöhtem Blutzucker ansammeln. Eine normale Knochendichte bei Typ-2-Diabetes vermittelt also ein trügerisch beruhigendes Bild.
Neben der Knochenqualität spielt das Sturzrisiko eine entscheidende Rolle. Nervenschäden an Füßen und Beinen, Muskelschwund, eingeschränkte Sehkraft und medikamentös bedingter Unterzucker lassen Menschen mit Diabetes häufiger stürzen. Und wenn sie stürzen, brechen sie sich auch öfter etwas. Eine längere Krankheitsdauer und schlechte Blutzuckereinstellung gehen mit einem noch höheren Bruchrisiko einher.
Manche blutzuckersenkenden Medikamente verschlechtern die Situation zusätzlich. Thiazolidinedione wie Pioglitazon wirken sich direkt negativ auf den Knochen aus und erhöhen das Bruchrisiko weiter. Zwei kleinere Studien deuten darauf hin, dass knochenschützende Wirkstoffe wie Teriparatid und Denosumab auch bei Typ-2-Diabetes wirksam sein können; belastbare Daten aus größeren Studien fehlen dazu bisher.
Wer mit Diabetes beim Arzt sein Bruchrisiko einschätzen lässt, sollte wissen, dass der weitverbreitete FRAX-Risikoscore das tatsächliche Risiko bei Diabetespatienten unterschätzt. Eine ergänzende Messung der Knochenmikrostruktur kann die Einschätzung verbessern. Sprich das bei deiner nächsten Arztkonsultation an, wenn du Diabetes hast und wissen möchtest, wie es um deine Knochengesundheit steht.
Alle Aussagen stützen sich auf Reviews und eine systematische Metaanalyse (PMID 37543616). Randomisierte Studien wurden nicht einbezogen. Der Zusammenhang zwischen Diabetes und Bruchrisiko ist über mehrere Reviews hinweg konsistent; die zugrundeliegenden Mechanismen (AGEs, Knochenmikrostruktur) sind überwiegend auf Assoziationsebene belegt.