Hilft Physiotherapie wirklich, wenn man bereits Osteoporose hat?
Begleitetes Training hilft bei Osteoporose nachweislich: Es bremst den Knochenverlust, verbessert Balance und Muskelkraft und reduziert die Sturzangst. Eine Physiotherapeutin oder ein Physiotherapeut sorgt für ein sicheres und wirksames Programm, das zu dir passt.
Für die Knochen selbst ist intensives Krafttraining am wirksamsten. Eine Studie mit 49 postmenopausalen Frauen mit Osteoporose oder niedriger Knochendichte zeigte, dass zweimal wöchentliches intensives Training unter Aufsicht die Knochendichte der Wirbelsäule um knapp 3 % steigerte, während die Kontrollgruppe ohne Training sogar Knochenmasse verlor. Am Schenkelhals, einer besonders frakturgefährdeten Stelle, blieb die Knochendichte in der Trainingsgruppe stabil und nahm in der Kontrollgruppe ab. Eine große Metaanalyse von 84 Studiengruppen bestätigt dieses Muster: Nahezu jede Bewegungsform, ob Krafttraining oder Ausdauersport mit Körpergewichtbelastung, verbessert die Knochendichte an mehreren Stellen messbar. Die Zuwächse sind dabei bescheiden: Die Knochen werden nicht spektakulär stärker, aber der Abbau wird verlangsamt oder sogar umgekehrt.
Neben dem Effekt auf die Knochen verbessert begleitetes Bewegungstraining auch die Alltagsfunktion erstaunlich schnell. Schon nach 4 Wochen eines kombinierten Programms aus Kraft-, Balance- und Ausdauerübungen schnitten Frauen beim Aufstehen, Gleichgewichthalten und Gehen messbar besser ab. Nach 12 Wochen lagen sie bei allen Messpunkten deutlich vor gleichaltrigen Frauen, die nichts verändert hatten. Besonders bemerkenswert: Die Sturzangst nahm stark ab. Das ist keine Kleinigkeit, denn Sturzangst kann Menschen mit Osteoporose so vorsichtig machen, dass sie sich immer weniger bewegen, was das Sturz- und Frakturrisiko am Ende sogar erhöht.
Die Frage, ob intensives Training bei Osteoporose sicher ist, ist berechtigt, aber die Antwort ist differenzierter als oft angenommen. In der oben genannten intensiven Trainingsstudie gab es über acht Monate hinweg lediglich einen einzigen kleinen Zwischenfall: einen kurzen Rückenkrampf, durch den jemand zwei Einheiten aussetzen musste. Keine einzige Fraktur trat auf. Das ist beruhigend, allerdings mit einem wichtigen Vorbehalt: Alle Teilnehmerinnen waren ansonsten gesund, und das Programm fand unter engmaschiger professioneller Begleitung statt. Dieselbe Intensität zu Hause ohne Aufsicht auszuprobieren, lässt sich auf Grundlage dieser Daten nicht verantworten.
Für Schwimmen und Pilates ist die Evidenz deutlich dünner. Schwimmen scheint die Knochendichte zu verbessern, aber nur bei drei bis sechs Stunden pro Woche, und das basiert auf lediglich fünf kleinen Studien. Pilates schneidet in den meisten Studien bei Schmerz und Beweglichkeit besser ab als gar nichts zu tun, doch für belastbare Aussagen zur Knochendichte fehlen ausreichend hochwertige Untersuchungen. Bei einer bereits eingetretenen Wirbelkörperfraktur ist Physiotherapie Bestandteil der Standardbehandlung, allerdings als Leitlinienempfehlung, nicht als Ergebnis einer kontrollierten Studie.
Welche Trainingsform die beste ist, konnte keine der Studien eindeutig klären. Was die Datenlage aber klar zeigt: mehr ist besser als weniger, intensiver ist besser als leicht, und professionelle Begleitung macht ein Programm zugleich wirksamer und sicherer. Wer Osteoporose hat und mit dem Training beginnen möchte, für den ist die Betreuung durch eine Physiotherapeutin oder einen Physiotherapeuten kein Luxus, sondern Voraussetzung, um das Beste herauszuholen und gleichzeitig auf der sicheren Seite zu bleiben.
Grundlage sind zwei randomisierte kontrollierte Studien, zwei Metaanalysen (eine mit 17 und eine mit 84 Studiengruppen), eine kleinere Metaanalyse zum Schwimmen, ein Review zu Pilates, ein Leitliniendokument sowie ein klinischer Überblick zu Wirbelkörperfrakturen. Die Metaanalysen stellen die stärkste Evidenzquelle dar; die Sicherheitsstudie und die Schwimm-Metaanalyse sind im Umfang begrenzt.