longevitywatch
Evidenz-Antwort · Krebs · Nederlands

Hilft es auch nach einer Krebsdiagnose noch, ein gesundes Gewicht zu halten?

Ja · Mäßige Evidenz

Bei den meisten Krebsarten hängt ein gesundes Gewicht nach der Diagnose mit besseren Überlebenschancen zusammen, aber Vorsicht: Unbeabsichtigter Gewichtsverlust ist ein Warnsignal, und bei einigen Krebsarten gilt das Gegenteil. Besprich Gewicht und Muskelmasse immer mit deiner behandelnden Ärztin oder deinem behandelnden Arzt.

Die vollständige Antwort

Übergewicht nach einer Krebsdiagnose geht bei den meisten Krebsarten mit einer höheren Sterblichkeit einher. Eine Analyse von mehr als 6,3 Millionen Krebspatientinnen und -patienten zeigte: Wer an Adipositas litt, hatte ein um 17 % höheres Risiko, an Krebs zu sterben, und eine um 14 % höhere Gesamtsterblichkeit. Auch das Rückfallrisiko lag um 13 % höher. Das sind Zusammenhänge, keine bewiesenen Ursache-Wirkungs-Beziehungen, doch Umfang und Konsistenz der Befunde sind beeindruckend.

Es gibt jedoch Ausnahmen. Bei Lungen-, Nierenkrebs und Melanom überleben Patientinnen und Patienten mit Adipositas sogar länger als normalgewichtige. Dieses Phänomen wird als 'Adipositas-Paradoxon' bezeichnet. Warum das so ist, können Forschende bislang nicht erklären. Für diese drei Krebsarten lassen sich die üblichen Gewichtsempfehlungen daher nicht ohne Weiteres übernehmen.

Wichtig zu wissen: Gewichtsverlust nach der Diagnose ist nicht automatisch ein gutes Zeichen. Frauen mit Brustkrebs, die in den 18 Monaten nach der Diagnose 10 % oder mehr ihres Körpergewichts verloren, hatten ein mehr als doppelt so hohes Sterberisiko wie Frauen ohne solchen Gewichtsverlust. Eine Gewichtszunahme hingegen war nicht mit schlechteren Überlebenschancen verbunden. Unbeabsichtigter Gewichtsverlust ist damit eher ein Warnsignal als ein gutes Zeichen.

Muskelschwund ist mindestens genauso bedeutsam wie die Zahl auf der Waage. Krebspatientinnen und -patienten mit schwerem Muskelverlust hatten ein medianes Überleben von 8,4 Monaten, verglichen mit 28,4 Monaten bei jenen mit guter Muskelmasse. Dieser Unterschied zeigte sich unabhängig davon, ob jemand stark übergewichtig oder sehr schlank war. Der BMI allein erzählt also nur einen Teil der Geschichte.

Eiweißreiche Trinknahrung mit Omega-3-Fettsäuren kann während einer Chemotherapie Gewichts- und Muskelverlust etwas bremsen (im Schnitt knapp 2 kg mehr Gewichtserhalt). Ob das auch das Überleben verbessert, ist bisher nicht belegt. Allgemeine Ernährungsberatung oder herkömmliche Trinknahrung zeigte in diesen Studien keinen messbaren Einfluss auf das Gewicht.

Die Belege
7 Studien · 2 Meta-Analysen · ≈ 7.300.000 Teilnehmer

Basierend auf einer Metaanalyse von 203 Studien (n > 6,3 Millionen), ergänzt durch Beobachtungsdaten bei Brustkrebs (n = 12.590), einer Kohortenstudie bei Lungen- und Magen-Darm-Krebs (n = 1.473), einer großen US-amerikanischen Kohorte (n > 900.000), einem systematischen Review randomisierter Studien zur Ernährung sowie Beobachtungsdaten bei Eierstockkrebs. Alle Zusammenhänge sind assoziativer Natur; kausale Belege aus randomisierten Studien fehlen weitgehend.

Zuletzt überprüft: Juli 2026
Verwandte Antworten
Erhöht Übergewicht mein Krebsrisiko – und wenn ja, bei welchen Krebsarten?
Senkt Bewegung mein Krebsrisiko?
Erhöht ein dicker Bauch mein Krebsrisiko stärker als gewöhnliches Übergewicht?
Was kann ich selbst tun, um mein Krebsrisiko zu senken?
Erhöht langes Sitzen mein Krebsrisiko, selbst wenn ich Sport treibe?
Verwandte Forschung
06 Jul
Sensorische Nerven treiben krebsbedingte Muskelschwäche voran
04 Mai
Abnehmen setzt das Immunsystem nicht vollständig zurück – es erinnert sich möglicherweise jahrelang an Adipositas
04 Jul
Krebs unterdrückt den Appetit über sensorische Nerven
Ist deine Frage nicht dabei?
Stell sie und wir suchen es für dich heraus.
Eine Frage stellen
Newsletter

Bleib auf dem Laufenden

Zweimal pro Woche die wichtigste Longevity-Forschung in deinem Postfach.