Funktionieren Polynukleotid- oder Lachs-DNA-Gesichtsbehandlungen wirklich?
Es gibt vorsichtige Hinweise darauf, dass Polynukleotid-Injektionen die Haut rund um die Augen verbessern können, doch gut kontrollierte Evidenz fehlt bislang. Wenn du die Behandlung in Betracht ziehst, frag deine behandelnde Person gezielt nach der wissenschaftlichen Grundlage und bleib kritisch gegenüber kommerziellen Interessen.
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Polynukleotide (auch bekannt als Lachs-DNA-Injektionen oder unter Markennamen wie REJURAN) werden in die Haut injiziert und sollen die Hautregeneration anregen, Falten reduzieren und die Hauttextur verbessern. Das klingt vielversprechend, doch die aktuelle Forschungslage ist begrenzt und weist erhebliche methodische Schwächen auf.
Für die Unterlid- und Krähenfußregion gibt es kleine Beobachtungsstudien sowie eine prospektive Studie mit 42 Patientinnen und Patienten, die Verbesserungen bis zu sechs Monate nach der Behandlung zeigten. Die Zufriedenheit der Teilnehmenden war im Durchschnitt hoch, und Nebenwirkungen waren minimal. Allerdings fehlte in keiner dieser Studien eine Placebogruppe, weshalb unklar bleibt, wie viel des Effekts tatsächlich der Behandlung selbst zuzuschreiben ist und wie viel dem Placeboeffekt oder dem natürlichen Zeitverlauf.
Die am stärksten randomisierte Studie zu Krähenfüßen mit 218 Teilnehmenden wurde nachträglich zurückgezogen. Ihre Ergebnisse sind damit hinfällig. Für Gesichtsrötungen und erweiterte Poren existieren keine klinischen Studien; die einzigen verfügbaren Daten stammen aus Umfragen unter kosmetischen Ärztinnen und Ärzten. Zwischen 77% und 90% von ihnen beurteilten die Behandlung als wirksam, doch Arztmeinungen sind kein klinischer Beweis. Hinzu kommt, dass mehrere Autorinnen und Autoren dieser Untersuchungen Interessenkonflikte mit dem Produkthersteller hatten, was die Unabhängigkeit der Befunde erheblich in Frage stellt.
Für Narben und Verbrennungen liegen nur einzelne Fallberichte ohne Kontrollgruppe vor. Und obwohl ein Übersichtsartikel andeutet, dass Polynukleotide als Ergänzung zu einer anderen Behandlung (Radiofrequenz-Microneedling) einen Zusatznutzen bieten könnten, lässt sich der spezifische Beitrag der Polynukleotide dabei nicht isolieren.
Unterm Strich: Für die Unterlid- und Feinfaltenregion gibt es vorsichtige Hinweise darauf, dass die Behandlung einen gewissen Effekt hat, doch ohne gut kontrollierte Studien bleibt offen, wie groß dieser tatsächlich ist. Für alle anderen Anwendungsgebiete ist die Evidenzlage noch dünner.
Alle Aussagen stützen sich auf Beobachtungsstudien, Fallberichte, ein Scoping-Review und Arztmeinungsumfragen. Die einzige randomisierte Studie (PMID 39313949) wurde zurückgezogen. Mehrere Studien weisen potenzielle Interessenkonflikte mit Herstellern auf. Keine einzige Studie enthält eine Placebogruppe.