Helfen Probiotika-Kapseln wirklich deinem Darm?
Probiotika wirken nachweislich bei akutem Durchfall. Bei den meisten anderen Darmbeschwerden kommt es jedoch darauf an, welchen Stamm du nimmst und wogegen. Prüf deshalb immer, ob es Evidenz für genau deine Beschwerde und den Stamm auf dem Etikett gibt.
Bei akutem Durchfall, etwa durch eine Rotavirus-Infektion, ist die Evidenz für Probiotika am stärksten. Bestimmte Stämme wie Lactobacillus und Saccharomyces boulardii verkürzen die Beschwerdedauer nachweislich. Das ist der solideste Beleg, den es für Probiotika bei Darmbeschwerden gibt.
Bei Antibiotika-assoziiertem Durchfall bieten bestimmte Stämme wahrscheinlich ebenfalls Schutz, doch die Evidenz reicht für eine breite Empfehlung noch nicht aus. Nimmst du gleichzeitig Antibiotika und Probiotika, halte zwischen beiden einen Abstand von mindestens zwei Stunden ein. Sonst töten die Antibiotika die probiotischen Bakterien schlicht ab.
Beim Reizdarmsyndrom, bei Colitis ulcerosa und beim Morbus Crohn widersprechen sich die Studienergebnisse noch. Manche Studien zeigen einen Nutzen, andere nicht. Es ist zu früh, um zu sagen, dass Probiotika hier zuverlässig helfen.
Ein wichtiger Punkt: Nicht jede Probiotika-Kapsel ist gleich. Was für einen Bakterienstamm gilt, lässt sich nicht automatisch auf einen anderen Stamm oder eine andere Dosierung übertragen. Ein Nahrungsergänzungsmittel mit einem undokumentierten Stamm bei unspezifischen Darmbeschwerden zu kaufen, bringt daher wenig.
Nebenwirkungen sind bei den meisten Menschen mild: Blähungen oder etwas mehr Darmgase. Vorsicht ist jedoch geboten, wenn du schwer erkrankt bist, ein stark geschwächtes Immunsystem hast oder einen intravenösen Katheter trägst. In diesen Fällen wurden seltene, aber ernste Infektionen durch Probiotika gemeldet. Sprich in solchen Situationen immer zuerst mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Die Aussagen stützen sich auf jeweils mindestens zwei publizierte Quellen (PMIDs 20208051, 36219218, 33978391, 31864419, 39197456). Die stärkste Evidenz liefern Reviews und Metaanalysen zu akutem Durchfall; für das Reizdarmsyndrom und chronisch-entzündliche Darmerkrankungen sind die Ergebnisse gemischt und die Evidenz begrenzt.