Hilft Metformin dabei, länger gesund zu leben?
Für Menschen mit Typ-2-Diabetes ist Metformin gut belegt: Es hilft, gesunde Lebensjahre zu gewinnen. Für gesunde Menschen ohne Diabetes fehlt diese klinische Evidenz noch.
Bei Typ-2-Diabetes ist die Wirkung von Metformin gut belegt. Klinische Studien zeigen, dass es das Risiko eines frühzeitigen Todes durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebs und andere altersbedingte Krankheiten senkt. Das Medikament reduziert den Blutzuckerspiegel, verbessert die Insulinsensitivität der Zellen und schützt die Blutgefäße1,2.
Ob Metformin auch bei gesunden Menschen die Fitness im Alter erhält, ist bislang nicht bewiesen. Kleinere Vorstudien, darunter die MILES-Studie, deuten darauf hin, dass Metformin die Aktivität bestimmter Gene so verändert, dass sie einem verlangsamten Alterungsprozess ähnelt. Das sind vorsichtige Hinweise, aber noch kein Beweis. Die große Studie, die hier Klarheit schaffen soll, die TAME-Trial, läuft noch und hat noch keine abschließenden Ergebnisse geliefert3,4,5.
In Zell- und Tierversuchen gibt es durchaus klare biologische Hinweise. Metformin vermindert oxidativen Stress, Entzündungen und Funktionsstörungen der Mitochondrien, der Kraftwerke unserer Zellen. Im Fadenwurm C. elegans verlängert es die Lebensdauer über einen Einfluss auf Darmbakterien, der kalorischer Restriktion ähnelt. Gleichzeitig zeigt dasselbe Tiermodell, dass der Effekt nicht immer positiv ausfällt: Je nach Bakterienstamm und Glucosemenge kann Metformin die Lebensdauer auch verkürzen. All das bleibt Labor- und Tierforschung und lässt sich nicht direkt auf den Menschen übertragen6,4,7.
Auch Nebenwirkungen verdienen Beachtung. Langzeitanwendung kann zu einem Folsäuremangel (Vitamin B11) führen, hinzu kommen Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit und Durchfall. Frühe Beobachtungsstudien legen einen möglichen Schutz vor Demenz nahe, doch diese Evidenz ist noch vorläufig6,2.
Schließlich gibt es ein weniger bekanntes Risiko: Metformin wird im Körper nicht abgebaut und gelangt unverändert ins Abwasser. Wenn Millionen von Menschen das Medikament einnehmen, entstehen Bedenken wegen hormoneller Störungen bei Fischen und möglicher negativer Auswirkungen auf die menschliche Fortpflanzung. Auch die breitere Alternsforschung räumt ein, dass die Evidenz bei gesunden Menschen, selbst für Metformin, noch nicht ausreicht2,8.
Basiert auf Aussagen mit PMIDs aus Beobachtungsstudien, Zell- und Tierversuchen sowie einer noch laufenden großen klinischen Studie (TAME). Eine abgeschlossene große Studie an gesunden Menschen liegt bislang nicht vor.