Hilft Bor als Nahrungsergänzungsmittel wirklich deinen Knochen?
Bor scheint sinnvoll zu sein, wenn du davon zu wenig aufnimmst – doch es gibt keine guten Belege dafür, dass eine zusätzliche Supplementierung deine Knochen stärkt, wenn deine Versorgung bereits ausreichend ist. Stell zuerst sicher, dass du genug Calcium und Vitamin D bekommst, und besprich eine Borsupplementierung mit deinem Arzt, falls du von Osteoporose betroffen bist.
Bor ist ein Spurenmineral, das in kleinen Mengen in Nüssen, Obst und Gemüse vorkommt. Ein Mangel scheint sich ungünstig auf die Knochen auszuwirken: Mehrere Übersichtsarbeiten zeigen, dass ein niedriger Borstatus bei Kindern den Knochenaufbau verlangsamt und nach den Wechseljahren den Knochenabbau beschleunigt. Das klingt vielversprechend – bedeutet aber noch lange nicht, dass zusätzliches Bor über die normale Zufuhr hinaus auch einen Mehrwert bringt.
Was eine tägliche Supplementierung von 3 mg bei postmenopausalen Frauen in einem kleinen Experiment mit 12 Teilnehmerinnen tatsächlich bewirkte: Der Körper schied weniger Calcium und Magnesium über den Urin aus, und die Blutspiegel von Estradiol (einem Hormon, das Knochenabbau hemmt) sowie Testosteron stiegen an. Das sind biologisch plausible Mechanismen für einen Knochenschutz – allerdings handelte es sich nur um 12 Frauen, und die Knochendichte selbst wurde gar nicht gemessen.
Eine Beobachtungsstudie mit 134 Frauen fand dagegen keinen Zusammenhang zwischen der täglichen Borzufuhr über die Ernährung und der Knochendichte an Wirbelsäule oder Hüfte. Tierversuche zeigen uneinheitliche Effekte auf die Knochenfestigkeit, wobei das Ergebnis stark davon abhängt, wie viel Calcium, Magnesium und Vitamin D gleichzeitig aufgenommen werden. Auf den Menschen lassen sich diese Befunde nicht ohne Weiteres übertragen.
Zur Sicherheit lässt sich etwas mehr sagen: Bei extrem hohen Dosen – weit über dem, was in Nahrungsergänzungsmitteln enthalten ist – traten in Tierversuchen Zellschäden und Fruchtbarkeitsprobleme auf. Eine umfassende Übersichtsarbeit betont deshalb, dass die Menge stimmen muss: Zu wenig nützt nichts, zu viel schadet. Eine Leitlinie zur Osteoporose erwähnt Borsupplementierung als mögliche Ergänzung zu Calcium und Vitamin D – ausdrücklich aber nicht als eigenständige Therapie.
Verwendete Quellen: kleine humane Experimente (n=12), eine Beobachtungsstudie (n=134), Tiermodelle sowie narrative Übersichtsarbeiten. Große randomisierte Studien mit Knochendichte als primärem Endpunkt fehlen bislang.