Senkt Bewegung mein Krebsrisiko?
Mehr Bewegung hängt konsistent mit einem geringeren Risiko für die meisten Krebsarten zusammen. Bereits 7.000 bis 9.000 Schritte pro Tag machen einen messbaren Unterschied. Kombiniere das mit regelmäßigen Bewegungspausen im Alltag und konsequentem Sonnenschutz beim Sport im Freien.
Ja, körperliche Aktivität senkt das Risiko für die meisten Krebsarten nachweislich. Eine Auswertung von 1,44 Millionen Erwachsenen1 zeigte, dass mehr Freizeitbewegung mit einem geringeren Risiko für 13 Krebsarten zusammenhing. Die Risikoreduzierung reichte von 10 % bei Brustkrebs bis zu 42 % bei Speiseröhrenkrebs. Eine separate Analyse von 98 Studien mit über 16 Millionen Teilnehmenden2 bestätigt diesen Befund: Für Brust-, Darm-, Lungen-, Magen- und Leberkrebs lag das Risiko bei körperlich aktiveren Menschen 5 bis 17 % niedriger. Für sechs Krebsarten, darunter Dickdarm-, Gebärmutter- und Blasenkrebs, ist dieser Zusammenhang mehrfach mit starker Evidenz belegt3,4.
Du musst dafür keineswegs intensiv trainieren. Eine Studie mit 85.394 Teilnehmenden, bei der Bewegung objektiv gemessen wurde5, ergab, dass bereits 7.000 bis 9.000 Schritte pro Tag mit 11 bis 16 % weniger Krebsrisiko einhergingen, verglichen mit 5.000 Schritten. Darüber hinaus flachte der Effekt ab, mehr Schritte brachten keinen klar messbaren Zusatznutzen. Sogar lockeres Spazierengehen oder weniger Sitzen hing bereits mit 6 % geringerem Risiko zusammen. Wer sich bisher kaum bewegt, kann also schon mit einem kleinen Schritt in die richtige Richtung etwas gewinnen.
Es gibt einen wichtigen Vorbehalt. Dieselbe große Auswertung1 fand bei sehr aktiven Menschen auch ein erhöhtes Risiko für Melanome (27 % höher) und Prostatakrebs (5 % höher). Das höhere Melanomrisiko erklärt sich wahrscheinlich durch mehr Sonneneinstrahlung beim Sport im Freien. Wer viel draußen trainiert, sollte konsequent Sonnenschutz verwenden.
Langes Sitzen ist ein eigenständiger Risikofaktor, den du durch Sport allein nicht vollständig ausgleichst. Selbst wer sich insgesamt ausreichend bewegt, kann bei vorwiegend sitzenden Alltagen ein erhöhtes Risiko für Dickdarm-, Gebärmutter- und Lungenkrebs behalten3,4,6. Regelmäßige Bewegungspausen über den Tag verteilt ergänzen sportliche Aktivität sinnvoll, ersetzen sie aber nicht.
Wie lässt sich das erklären? Körperliche Aktivität senkt Geschlechtshormone wie Östrogen, verbessert die Insulinsensitivität, dämpft chronische Entzündungsprozesse und hat möglicherweise Einfluss auf das Immunsystem und das Darmmikrobiom3,7,6. Diese Mechanismen sind biologisch plausibel. Sämtliche verfügbaren Daten stammen jedoch aus Beobachtungsstudien: Ein ursächlicher Zusammenhang ist zwar wahrscheinlich, aber in großangelegten randomisierten Studien noch nicht nachgewiesen.
Alle Aussagen stützen sich auf große Beobachtungsstudien und systematische Analysen mit bis zu 16 Millionen Teilnehmenden. Randomisierte kontrollierte Studien mit Krebs als primärem Endpunkt existieren nicht. Kausalität ist plausibel, aber nicht bewiesen. Eine zentrale Metaanalyse wird als Quelle herangezogen: PMID 37743572, eine systematische Auswertung von 98 Studien.