Erhöht ein dicker Bauch mein Krebsrisiko stärker als gewöhnliches Übergewicht?
Ein dicker Bauch erhöht das Risiko vor allem für Darmkrebs stärker als gewöhnliches Übergewicht. Der Taillenumfang verrät also mehr über dein Krebsrisiko als die Waage allein.
Ja, ein großer Bauchumfang ist ein stärkerer Risikoindikator für bestimmte Krebsarten als das bloße Körpergewicht. Bei Darmkrebs, dem am besten untersuchten Beispiel, lag das Risiko bei den größten Bauchumfängen um 37 % höher als bei den kleinsten. Ein hoher BMI allein kam nur auf 23 %. Zudem ließen sich rund 17 % aller Darmkrebsfälle auf einen großen Bauchumfang zurückführen, verglichen mit 10 % für einen hohen BMI. Das zeigt eine Studie mit mehr als 458.000 britischen Teilnehmenden.
Bauchfett spielt auch bei anderen Krebsarten eine eigenständige Rolle. Beim Bauchspeicheldrüsenkrebs wirkt es vor allem über Insulinresistenz und Typ-2-Diabetes. Beim Adenokarzinom der Speiseröhre kommt hinzu, dass ein dicker Bauch Sodbrennen begünstigt, was die Schleimhaut dauerhaft reizt. Für Eierstock- und Prostatakrebs liefern die vorliegenden Studien zu widersprüchliche Ergebnisse, um ähnliche Aussagen zu treffen.
Körperliche Aktivität bietet einen gewissen Schutz, gleicht das Risiko durch einen großen Bauchumfang aber nicht vollständig aus. Menschen mit großem Bauchumfang und zu wenig Bewegung hatten das höchste Krebsrisiko: 15 % über dem Normalwert. Wer trotz dickem Bauch regelmäßig aktiv war, wies immer noch ein um 11 % erhöhtes Risiko auf. Bewegung hilft also, löst das Problem des Bauchfetts aber nicht.
Man kann trotz Normalgewicht einen zu großen Bauchumfang haben. Weltweit trifft das auf etwa jeden Fünften zu. Diese Gruppe hat zugleich ein deutlich erhöhtes Risiko für Bluthochdruck, Diabetes und erhöhte Blutfette, Erkrankungen, die ihrerseits das Krebsrisiko indirekt steigern. Der BMI allein zeigt das nicht. Wer sein persönliches Risiko besser einschätzen will, sollte daher nicht nur sein Gewicht kennen, sondern auch seinen Taillenumfang messen.
Alle Aussagen beruhen auf großen Beobachtungs- und Kohortenstudien, darunter die UK Biobank mit 315.000 bis 458.000 Teilnehmenden. Die Evidenz ist für Darmkrebs am stärksten. Für Bauchspeicheldrüsen- und Speiseröhrenkrebs ist sie mäßig. Für Eierstock- und Prostatakrebs reichen die vorliegenden Daten nicht für belastbare Schlüsse. Der Zusammenhang mit hochverarbeiteten Lebensmitteln ist assoziativ und basiert auf Querschnittsstudien.