Hilft hyperbare Sauerstofftherapie gegen Alterung?
HBOT zeigt in kleinen Frühphasenstudien interessante Signale bezüglich Telomerlänge und Hirndurchblutung, doch die Evidenz ist zu schwach und zu anfällig für Verzerrungen, um die Therapie als Anti-Aging-Maßnahme zu empfehlen. Warte auf größere, unabhängige Studien, bevor du die erheblichen Kosten auf dich nimmst.
Bei der hyperbaren Sauerstofftherapie (HBOT) atmest du in einer Druckkammer unter erhöhtem Luftdruck, sodass dein Körper deutlich mehr Sauerstoff aufnimmt als unter normalen Bedingungen. In der konventionellen Medizin ist HBOT seit Jahrzehnten bei Wundheilungsstörungen und Tauchunfällen etabliert. Als Anti-Aging-Maßnahme steckt die Forschung dagegen noch in den Kinderschuhen.
Die meistzitierte Studie begleitete 35 gesunde Menschen ab 64 Jahren durch 60 HBOT-Sitzungen1. Danach waren ihre Telomere, also die Schutzkappen an den Enden der Chromosomen, die im Laufe des Lebens kürzer werden, in mehreren Blutzelltypen um mehr als 20 % länger. Bei bestimmten Immunzellen betrug der Zuwachs sogar bis zu 37,6 %. Gleichzeitig sank die Zahl gealterter Immunzellen um 11 bis 37 %. Das klingt beeindruckend, doch die Studie hatte keine Kontrollgruppe. Hinzu kommt, dass mehrere Autoren finanzielle Verbindungen zu einem kommerziellen HBOT-Anbieter hatten. Die Ergebnisse solltest du daher mit Vorsicht einordnen.
Für die Gehirngesundheit gibt es erste Hinweise, aber keine gesicherten Befunde. In einer Mausstudie mit Alzheimer-ähnlichen Veränderungen verbesserte HBOT die Hirndurchblutung und reduzierte Amyloid-Ablagerungen, ein typisches Merkmal der Alzheimer-Erkrankung. Eine anschließende Pilotstudie mit einer kleinen Gruppe älterer Menschen mit Gedächtnisproblemen zeigte ebenfalls bessere kognitive Testwerte2. Die Gruppen waren jedoch sehr klein, und auch hier hielten einzelne Autoren Anteile an einem HBOT-Unternehmen. Diese Befunde sind frühe Signale, kein Beleg dafür, dass HBOT Alzheimer oder Gedächtnisverlust behandeln kann.
Im Bereich Hautalterung wertete ein Review aus dem Jahr 2024 insgesamt 17 Studien mit 766 Teilnehmern aus3. Die Ergebnisse zeigten nach HBOT eine höhere Kollagendichte, mehr Elastinfasern und niedrigere Entzündungswerte. Allerdings wiesen alle eingeschlossenen Studien ein hohes Verzerrungsrisiko auf, was bedeutet, dass die Resultate möglicherweise besser aussehen, als sie tatsächlich sind.
Ein umfassenderer systematischer Review aus 2024, der HBOT als Anti-Aging-Ansatz untersuchte, fand nur 15 verwertbare Studien und kam zu dem Schluss, dass die Evidenz zu dünn ist, um die Kosten zu rechtfertigen4. Große, unabhängige und methodisch solide kontrollierte Studien fehlen vollständig. HBOT ist biologisch betrachtet ein interessanter Ansatz, aber als Anti-Aging-Behandlung ist er derzeit nicht belastbar.
Alle Aussagen beruhen auf kleinen Studien ohne Kontrollgruppe, Tierstudien oder systematischen Reviews, die selbst zu dem Schluss kommen, dass die Evidenz unzureichend ist. In mehreren Studien bestehen finanzielle Interessenkonflikte der Autoren gegenüber kommerziellen HBOT-Anbietern. Die Gesamtzahl menschlicher Studienteilnehmer ist begrenzt: 35 in der Telomerstudie, 766 verteilt auf 17 Hautstudien und kleine Fallzahlen in der Kognititionsstudie.