Hilft Ingwer gegen Entzündungen und Übelkeit?
Ingwer zeigt vielversprechende entzündungshemmende Eigenschaften, doch die Evidenz beim Menschen ist noch zu dünn, um darauf zu vertrauen. Für Übelkeit bieten die vorliegenden Studien keine ausreichende Grundlage.
Ingwer enthält aktive Verbindungen wie 6-Gingerol und 6-Shogaol. In Zell- und Tierversuchen hemmen diese Substanzen bekannte entzündungsfördernde Botenstoffe. Das ist ein biologisch plausibles Wirkprinzip, aber was im Labor funktioniert, muss beim Menschen noch lange nichts bedeuten.
Beim Menschen gibt es immerhin erste positive Signale. Kleine Studien und Übersichtsarbeiten bei Menschen mit Arthritis und Psoriasis zeigen ermutigende Hinweise. Große, methodisch solide klinische Studien fehlen jedoch weitgehend. Es ist daher zu früh, um zu sagen, dass Ingwer nachweislich entzündungshemmend als Behandlung wirkt.
Außerdem wird zu winzigen Partikeln aus essbarem Ingwer geforscht, sogenannten ingwerabgeleiteten Nanopartikeln. In Mausstudien zu Darmentzündungen reduzierten diese Partikel Entzündungsstoffe und unterstützten die Regeneration der Darmwand. Bislang ist das ausschließlich im Tiermodell gezeigt worden. Ob das auch beim Menschen funktioniert, weiß niemand.
Für Gicht und Lupus existieren ebenfalls frühe Hinweise, doch die Daten stammen aus Phase-I-Untersuchungen ohne große klinische Studien. Die Evidenz ist zu schwach, um daraus konkrete Handlungsempfehlungen abzuleiten.
Bei Übelkeit durch Chemotherapie oder nach einem Kaiserschnitt erwähnen die verfügbaren Studien Ingwer nur am Rande als mögliche nicht-medikamentöse Option. Ein konkreter Effekt oder ein Vergleich mit Placebo wird nicht berichtet. Auf Grundlage dieser Quellen lässt sich also nicht belastbar sagen, dass Ingwer gegen Übelkeit hilft. Bei der Einnahme als Nahrungsergänzungsmittel in höheren Dosen oder in Kombination mit blutverdünnenden Medikamenten ist Vorsicht angebracht. Im Zweifel: Frag eine Ärztin, einen Arzt oder in der Apotheke nach.
Die Aussagen stützen sich auf 7 eindeutige Quellen (PMID-Angaben), bei denen es sich überwiegend um Übersichtsarbeiten sowie Tier- und Zellmodellstudien handelt. Eine Quelle (PMID 39557196) befasst sich mit Übelkeit nach einem Kaiserschnitt. Metaanalysen wurden nicht als direkte Quellen herangezogen. Die Gesamtzahl menschlicher Studienteilnehmer lässt sich aus den verfügbaren Zusammenfassungen nicht ableiten.