Hilft Mundtaping beim Schlafen?
Für gesunde Schläfer ist die Evidenz zu dünn, um Mundtaping zu empfehlen, und bei verstopfter Nase ist es riskant. Wenn du Schlafapnoe hast oder ein CPAP-Masker verwendest und Mundtaping ausprobieren möchtest, sprich das vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt ab.
Mundtaping stützt sich insgesamt auf kaum mehr als eine Handvoll kleiner Studien: Zwei systematische Reviews schlossen jeweils nicht mehr als 9 bis 10 Studien mit zusammen 213 Teilnehmern ein. Die Ergebnisse widersprechen sich in mehreren Punkten, und es fehlen große randomisierte Studien, die für Klarheit sorgen könnten. Für gesunde Schläfer, die einfach besser schlafen wollen, gibt es also kaum Evidenz, dass Mundtaping irgendetwas bewirkt.
Bei einer bestimmten Gruppe, nämlich Menschen mit milder obstruktiver Schlafapnoe, bei der der Rachen im Schlaf vorübergehend kollabiert, zeigten zwei kleine Studien eine Verbesserung der Apnoe-Messwerte. Wie groß dieser Effekt ist und ob er für alle Menschen mit Schlafapnoe gilt, bleibt unklar. Bei CPAP-Nutzern haben kleine Laborstudien gezeigt, dass Mundatmung die Wirkung der Maske untergraben kann und dass Mundtaping diesen Effekt aufheben kann. Das ist interessant, gilt aber ausschließlich für diese spezifische medizinische Situation und nicht für den durchschnittlichen Schläfer.
Die physiologische Begründung hinter Mundtaping ist nicht vollständig aus der Luft gegriffen: Nasenatmung hält die Schleimhautschicht im Rachen feuchter und geschmeidiger, was das Risiko eines Atemwegkollapses etwas senkt. Dieses Mechanismus wurde jedoch bei wachen Menschen untersucht, nicht während des Schlafs. Ob der tagsüber gemessene Effekt nachts tatsächlich relevant ist, lässt sich daraus nicht ableiten.
Die Risiken verdienen besondere Beachtung. Wer eine verstopfte Nase hat, setzt sich mit Mundtaping ernsten Gefahren aus. Nicht umsonst schlossen Studien solche Personen von vornherein aus. Erstickung ist kein theoretisches Risiko, sondern eine in der Fachliteratur ausdrücklich genannte reale Gefahr. Verwende Mundtaping also niemals, wenn du nicht frei durch die Nase atmen kannst. Für Asthmaerkrankte wurde Mundtaping in einer randomisierten Studie mit 51 Personen untersucht und zeigte keinerlei Effekt auf Beschwerden oder Lungenfunktion. Die populären Behauptungen in sozialen Medien, wie mehr Energie, ein stärkeres Immunsystem oder bessere Mundhygiene, sind wissenschaftlich kaum oder gar nicht belegt.
Zwei systematische Reviews (zusammen 9-10 eingeschlossene Studien, n=213), eine randomisierte Crossover-Studie (n=51, Asthma), eine Laborstudie (n=13, OSA + CPAP) und eine physiologische Studie (n=8, Mechanismus). Alle Studien sind klein; es gibt keine großen unabhängigen RCTs zur Schlafqualität bei gesunden Schläfern.