Hilft Paracetamol gegen Muskelkater?
Paracetamol lindert Muskelkater nach dem Training wahrscheinlich nicht besser als ein Placebo, und es gibt Hinweise, dass es Regenerationsbotenstoffe im Muskelgewebe unterdrückt. Nimm es daher nicht routinemäßig nach dem Training ein, und sprich bei Unsicherheit mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder deiner Physiotherapeutin.
Paracetamol lindert Muskelkater nach dem Training wahrscheinlich nicht spürbar. In einer sorgfältig konzipierten Studie mit 60 gesunden Freiwilligen zeigte 1000 mg Paracetamol über elf Tage keinerlei messbaren Effekt auf Schmerz, Bewegungsumfang oder Schmerzschwelle nach intensivem Training. Genau für diese Situation greifen viele Menschen zu diesem Mittel.
Auch für die sportliche Leistung fällt die Bilanz mager aus. In einer randomisierten Studie mit trainierten Sportlerinnen und Sportlern verbesserte 1500 mg Paracetamol keine einzige Leistungskennzahl, weder beim Bankdrücken noch bei der Sprungkraft. Nur Koffein brachte einen Leistungsgewinn. Eine kleine Studie mit 15 Sportlerinnen zeigte zwar eine bessere Laufleistung und weniger wahrgenommene Schmerzen, doch mit so wenigen Teilnehmerinnen bleibt das eine Einzelbeobachtung.
Gleichzeitig gibt es Hinweise, dass Paracetamol etwas bewirkt, das du dir möglicherweise nicht wünschst. Bei der maximalen rezeptfreien Tagesdosis von 4000 mg unterdrückte es den Anstieg von Botenstoffen im Muskelgewebe, die nach dem Training normalerweise zunehmen und an Regeneration sowie Muskelaufbau beteiligt sind. In der Placebogruppe stieg einer dieser Botenstoffe nach dem Training um 77 Prozent; bei Paracetamol-Anwendern sank er dagegen um 14 Prozent. Studien über eineinhalb bis vier Monate fanden beim Menschen keinen nachteiligen Effekt auf Muskelmasse oder Kraft, und bei älteren Erwachsenen wurde sogar eine leichte Verbesserung gemessen. Dazu gibt es bisher aber nur begrenzte Humandaten aus Studien mit kurzer Laufzeit.
Wer Paracetamol nimmt, um Muskelkater nach dem Training schneller loszuwerden, findet dafür kaum belastbare Belege. Regelmäßige Einnahme rund ums Training wird zudem nicht empfohlen, weil es die Regeneration und den Muskelaufbau beeinflussen kann und bei höheren Dosen bekannte Risiken für Leber und Nieren bestehen. Bei anhaltenden Muskelschmerzen oder Unsicherheit rund um Schmerzmittel und Sport sprich am besten mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder deiner Physiotherapeutin.
Diese Antwort stützt sich auf mehrere randomisierte Studien mit Menschen, darunter zwei methodisch solide doppelblinde Untersuchungen. Die Studien zeigen überwiegend in dieselbe Richtung: kein schmerzlindernder Effekt bei trainingsinduziertem Muskelkater. Eine kleine Studie mit 15 Sportlerinnen kam jedoch zu einem abweichenden Ergebnis, was das Bild nicht eindeutig macht. Die Untersuchungen zum langfristigen Muskelaufbau sind begrenzt in Umfang und Dauer. Die Erkenntnisse zu biologischen Mechanismen, also zur Hemmung von Regenerationsbotenstoffen im Muskelgewebe, stammen teilweise aus Tierversuchen, was die Übertragbarkeit auf den Menschen einschränkt.