Ist braunes Fett wirklich anders als normales Fett, und kann ich es aktivieren?
Braunes Fett ist tatsächlich anders als normales Fett, und du kannst es aktivieren – Kälteexposition hat dabei die stärkste Evidenz. Wirksame Nahrungsergänzungsmittel oder Medikamente existieren noch nicht, aber regelmäßige Kälteexposition ist ein konkreter und umsetzbarer Ansatz.
Braunes Fett unterscheidet sich grundlegend von gewöhnlichem weißem Fett. Weißes Fett speichert Energie in Form von Fetttröpfchen. Braunes Fett wandelt Energie direkt in Wärme um – mithilfe eines Proteins namens UCP1, auch Entkopplungsprotein genannt, das die zelluläre Energiegewinnung kurzschließt. Das Ergebnis ist Wärme statt gespeicherte Kalorien. Dieser Mechanismus ist wissenschaftlich gut belegt.
Du kannst braunes Fett selbst aktivieren. Kälte ist die am besten belegte Methode. In Studien bei 16 Grad Celsius zeigte sich bei 96 % der Teilnehmer messbare Braunfettaktivität, während bei Raumtemperatur kaum etwas passierte. Regelmäßige Kälteexposition kann außerdem die Menge an braunem Fett im Körper erhöhen. Kalte Duschen oder das Aufhalten in kühlen Räumen kommen dafür infrage; die optimale Dauer und Temperatur sind allerdings bisher nicht genau bestimmt.
Erwachsene besitzen nicht das klassische braune Fett von Säuglingen, sondern hauptsächlich sogenannte beige Fettzellen: weiße Fettzellen, die vorübergehend die Eigenschaften von braunem Fett annehmen können. Kälte, Bewegung und bestimmte Nahrungsinhaltsstoffe regen diesen Umschaltprozess an. Sport wirkt dabei auch indirekt: Bei körperlicher Belastung schütten Muskeln ein Hormon namens Irisin aus, das weiße Fettzellen zu ähnlichem Verhalten veranlasst. Dazu gibt es bisher überwiegend Mäusedaten; beim Menschen ist der Effekt noch nicht eindeutig belegt.
Capsaicin, der Wirkstoff in Chilischoten, wird als möglicher Braunfett-Aktivator diskutiert, doch der Effekt beim Menschen ist gering. Nahrungsergänzungsmittel oder Medikamente, die das sicher nutzen, sind nicht zugelassen. Menschen mit Übergewicht haben nachweislich weniger aktives braunes Fett; ob das Ursache oder Folge des Übergewichts ist, lässt sich aus den vorliegenden Daten nicht ableiten.
Aussagen basieren auf mehreren Humanstudien und Tierstudien (PMIDs 14715917, 19357405, 22237023, 24901355, 25390014, 33403891, 36669474, 36972706). Der kälteinduzierte Aktivierungseffekt beim Menschen ist stark belegt; der Effekt durch Bewegung und Irisin sowie der Weg über Nahrungsinhaltsstoffe sind überwiegend im Tiermodell oder nur in begrenztem Umfang beim Menschen gezeigt worden.