Ist dunkle Schokolade oder Kakao gut fürs Herz?
Dunkle Schokolade mit hohem Kakaoanteil scheint gut fürs Herz zu sein, die Evidenz ist aber weiterhin beobachtend. Eine kleine tägliche Portion dunkler Schokolade ist sinnvoll, größere Mengen sind es wegen des Kaloriengehalts nicht.
Dunkle Schokolade mit hohem Kakaoanteil wird in mehreren Studien mit positiven Auswirkungen auf Herz und Gefäße in Verbindung gebracht. Die Flavanole, die Wirkstoffe im Kakao, entspannen die Blutgefäße über Stickstoffmonoxid, hemmen Entzündungen und reduzieren die Verklumpung von Blutplättchen. Wie stark diese Effekte beim Menschen tatsächlich sind, ist noch nicht abschließend belegt – ein Teil der Evidenz stammt aus Labor- und Mechanismenstudien.
Konkreter wird der Nutzen von dunkler Schokolade durch drei große amerikanische Kohortenstudien mit insgesamt über 192.000 Teilnehmern: Wer fünf oder mehr Portionen dunkle Schokolade pro Woche aß, hatte ein um 21 % niedrigeres Risiko für Typ-2-Diabetes. Das ist herzrelevant, denn Diabetes erhöht das Herz-Kreislauf-Risiko erheblich. Pro zusätzlicher Portion pro Woche sinkt das Risiko um etwa 3 %. Dieselben großen Kohortenstudien zeigen auch günstige Zusammenhänge mit Blutdruck und Gefäßgesundheit – allerdings handelt es sich um Beobachtungsstudien, aus denen sich keine harten Ursache-Wirkungs-Schlüsse ziehen lassen.
Dunkle Schokolade enthält gesättigte Fettsäuren, doch das scheint den positiven Effekt nicht aufzuheben. Ein umfassender Review kam zu dem Schluss, dass dunkle Schokolade trotz ihres Fettgehalts nicht mit einem erhöhten Herz-Kreislauf-Risiko verbunden ist. Entscheidend ist das Lebensmittel als Ganzes, nicht ein einzelner Inhaltsstoff.
Für Milchschokolade gilt das Gegenteil: Sie zeigte keinen schützenden Effekt und war stattdessen mit Gewichtszunahme assoziiert. Die positiven Effekte sind spezifisch für dunkle Schokolade mit hohem Kakaoanteil. Außerdem ist Schokolade kalorienreich: Zu große Mengen führen zu Gewichtszunahme, die ihrerseits ein Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist. Fachleute sprechen von 'maßvollen Mengen', ohne dabei meist eine genaue Portionsgröße zu nennen.
Die Evidenz ist überwiegend assoziativ (Kohortenstudien, Reviews). Gut konzipierte randomisierte klinische Studien, die einen direkten Schutz vor Herzerkrankungen beim Menschen belegen, fehlen bislang. Auch die biologischen Mechanismen sind teilweise nur im Labor nachgewiesen.