Lohnt sich ein Kalzium-Score fürs Herz?
Für Menschen zwischen 40 und 75 Jahren in der Grauzone für Statine ist ein Kalzium-Score ein gut belegtes Instrument, um gemeinsam mit dem Arzt eine fundierte Entscheidung über die Medikation zu treffen.
Ein Kalzium-Score (auch CAC-Score) misst, wie viel Kalk sich in den Herzkranzgefäßen abgelagert hat. Mehrere große Leitlinien, darunter die amerikanischen (ACC/AHA) und die europäischen (ESC), erkennen den Test als nützliches Werkzeug für Menschen ohne bekannte Herzerkrankung an, vor allem um zu klären, ob du Medikamente wie Statine brauchst.
Der Test bringt am meisten, wenn unklar ist, ob du mit Statinen beginnen solltest. Das betrifft Menschen zwischen 40 und 75 Jahren ohne Diabetes, mit mäßig erhöhten Cholesterinwerten und einem Zehn-Jahres-Herzinfarktrisiko von grob 7,5 bis 20 Prozent. In dieser Grauzone hilft der Score dabei, die Entscheidung gemeinsam mit deinem Arzt zu schärfen. Bei sehr niedrigem oder eindeutig hohem Risiko liefert er kaum zusätzliche Orientierung.
Ein Score von null gibt zusätzliche Sicherheit: Kein sichtbarer Kalk bedeutet, dass du das Starten von Statinen in Absprache mit dem Arzt aufschieben kannst, sofern du nicht rauchst, keinen Diabetes hast und keine frühe Herzerkrankung in der Familie vorliegt. Ein Score von 100 oder höher, oder oberhalb des 75. Perzentils für dein Alter und Geschlecht, macht eine Statinbehandlung hingegen wahrscheinlich sinnvoll. Dabei zählt nicht nur die Menge des Kalks: Eine Studie mit über 21.000 Teilnehmenden zeigte, dass dichtere, kompaktere Ablagerungen mit einem geringeren Risiko verbunden sind als die gleiche Menge locker verteilter Ablagerungen.
Eine Langzeitstudie mit über 5.700 beschwerdefreien Erwachsenen zeigte, dass ein höherer CAC-Score auch über zwölf Jahre mit einer höheren Sterblichkeit zusammenhing, unabhängig von anderen Risikofaktoren. Dieselbe Studie machte deutlich, dass der CAC-Score in manchen Fällen etwas schwächer vorhersagt als andere Messungen, etwa die Plaquemenge in den Halsschlagadern. Der Test ist nützlich, aber nicht das einzige Instrument.
Die Untersuchung ist mit einer kleinen Strahlendosis verbunden und kostet Geld; die Krankenkasse erstattet sie nicht immer. Besprich mit deinem Hausarzt oder Kardiologen, ob deine Situation, also Alter, Risikofaktoren und bestehende Medikation, von dieser Zusatzinformation profitiert, oder ob das Ergebnis an deiner Behandlung ohnehin nichts ändern würde.
Alle Aussagen beruhen auf Leitliniendokumenten (ACC/AHA, ESC und weiteren) sowie Beobachtungsstudien (BioImage-Studie, Metaanalyse aus 5 Kohorten). Es gibt keine randomisierten kontrollierten Studien, die belegen, dass eine CAC-Messung klinische Endpunkte verbessert; der Nutzen ist für die Risikoeinschätzung und Entscheidungsunterstützung nachgewiesen.