Ist die mediterrane Ernährung wirklich gut für dein Herz – und warum?
Für Menschen mit erhöhtem Herzrisiko ist die mediterrane Ernährung die am besten belegte Ernährungsstrategie, die derzeit verfügbar ist. Sowohl große randomisierte Studien als auch dutzende Bevölkerungsstudien bestätigen ein niedrigeres Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall.
Die mediterrane Ernährung – reich an Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten, Olivenöl, Nüssen und Fisch – ist das am besten untersuchte Ernährungsmuster in der Herzforschung. Wer sich konsequent daran hält, hat ein um 25 bis 30 Prozent geringeres Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall oder einen herzbedingten Tod. Das belegen 32 unabhängige große Bevölkerungsstudien sowie randomisierte Studien gemeinsam – eine Konsistenz, die in der Ernährungsforschung ihresgleichen sucht1,2,3,4.
Die stärkste klinische Grundlage liefert die PREDIMED-Studie: eine randomisierte Studie mit 7447 spanischen Erwachsenen mit erhöhtem Herzrisiko. Wer zusätzlich zur mediterranen Ernährung extra Olivenöl oder Nüsse erhielt, hatte nach knapp fünf Jahren ein um 28 bis 30 Prozent niedrigeres Risiko für schwere Herzereignisse als die Vergleichsgruppe. Anfangs gab es ein methodisches Problem bei der Zuteilung der Teilnehmenden zu den Gruppen; nach Korrektur und erneuter Auswertung blieben die Ergebnisse stabil. Ernährungsbedingte Nebenwirkungen wurden keine berichtet4,1.
Der schützende Effekt entfaltet sich über mehrere Wege gleichzeitig. Randomisierte Studien zeigen, dass dieses Ernährungsmuster Taillenumfang, viszerales Fett und Blutfettwerte deutlich senkt. Auch Blutdruck, Cholesterin und Entzündungswerte verbessern sich nachweisbar5,6,2. Studien, die störende Einflussfaktoren weitgehend ausschließen, bestätigen zudem, dass die Ernährung ursächlich zum geringeren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen beiträgt7.
Über die Herzgesundheit hinaus gibt es Hinweise, dass diese Ernährungsweise die Blutzuckerregulation verbessert und das Risiko für Typ-2-Diabetes senkt. Als Erklärung nennen Forschende die entzündungshemmenden Inhaltsstoffe sowie positive Effekte auf die Darmflora8,2. Für einen Schutz vor kognitivem Abbau liegen ebenfalls Anhaltspunkte vor – diese Befunde stammen aber überwiegend aus Bevölkerungsstudien und sind längst nicht so belastbar wie jene für die Herzgesundheit2.
Zwei Einschränkungen sollte man im Blick behalten: Noch ist unklar, ob der Schutzeffekt vom Gesamtmuster ausgeht oder ob einzelne Bestandteile wie Olivenöl oder Nüsse für sich genommen den Ausschlag geben5. Der Zusammenhang mit einer längeren Lebenserwartung ist bislang eine Korrelation, kein bewiesener Kausalzusammenhang2,3. Was den Herzschutz betrifft, ist die Beweislage robuster als bei nahezu jedem anderen Ernährungsmuster.
Für den kardiovaskulären Haupteffekt wurden 4 PMIDs herangezogen, darunter die PREDIMED-Studie und große Übersichtsarbeiten; ergänzt durch 5 PMIDs zu Mechanismen und Risikofaktoren. Allein PREDIMED umfasste 7447 Teilnehmende; die 32 Kohorten in den Übersichtsarbeiten kommen auf viele zehntausende weitere.