Ist ein Ganzkörper-MRT als Vorsorgeuntersuchung sinnvoll?
Es gibt keinen Beleg dafür, dass ein vorsorgeorientiertes Ganzkörper-MRT bei gesunden Menschen zu besseren Gesundheitsoutcomes führt, während das Risiko für Scheinbefunde und unnötige Folgeuntersuchungen real ist. Besprich die Vor- und Nachteile gründlich mit deiner Ärztin oder deinem Arzt, bevor du einen solchen Scan in Betracht ziehst.
Bei mehr als der Hälfte gesunder, beschwerdefreier Kinder und Jugendlicher entdeckten Studien Auffälligkeiten im Knochenmark, die im klinischen Alltag schnell als verdächtig eingestuft werden – obwohl sie es in Wirklichkeit nicht sind. Solche Scheinbefunde sind ein konkretes Risiko der vorsorgeorientierten Ganzkörper-MRT: Sie können unnötige Folgeuntersuchungen, Verunsicherung und im schlimmsten Fall sogar unnötige Behandlungen auslösen.
Bei gesunden Erwachsenen zeigt sich dasselbe Problem an der Wirbelsäule. Eine Studie mit 200 beschwerdefreien Erwachsenen, die im Rahmen eines Gesundheitschecks ein Ganzkörper-MRT erhielten, fand bei vielen Keilwirbel, Bandscheibenprobleme oder Verschleißerscheinungen – obwohl fast alle keinerlei Beschwerden hatten. Trotzdem lösen solche Zufallsbefunde mitunter weitere Diagnostik aus, ohne dass klar ist, ob die betroffene Person davon profitiert.
Ob der Scan tatsächlich zu besseren Gesundheitsoutcomes oder einer niedrigeren Sterblichkeit führt, ist nicht belegt. Es gibt eine Studie, die beschreibt, wie Menschen den Ablauf erleben und wie zufrieden sie damit sind – klinische Wirksamkeit untersucht sie jedoch nicht. Positive Erwartungen und eine angenehme Atmosphäre machen den Scan erträglicher, Platzangst das Gegenteil. Das sagt etwas darüber aus, wie man die Erfahrung verbessern kann, aber nichts darüber, ob der Scan einen Nutzen hat.
Kurz gesagt: Ein vorsorgeorientiertes Ganzkörper-MRT liefert regelmäßig Zufallsbefunde, die in der Praxis schwer einzuordnen sind, während Belege für einen konkreten klinischen Vorteil fehlen. Das macht die Nutzen-Risiko-Bilanz derzeit unsicher – besonders für Kinder und Jugendliche.
Die Aussagen stützen sich auf eine begrenzte Anzahl von Studien (PMID 36148490, 35617871, 35843014, 34107750). Für klinische Outcomes der vorsorgeorientierten Ganzkörper-MRT liegen in den verwendeten Quellen weder RCTs noch Metaanalysen vor. Die Befunde zu falsch-positiven Ergebnissen bei Kindern sind assoziativer Natur.