Ist intermittierendes Fasten bei Typ-2-Diabetes sicher?
Intermittierendes Fasten kann bei Typ-2-Diabetes sicher sein, aber nur in Absprache mit deiner Ärztin oder deinem Arzt, denn die Medikation muss dabei fast immer angepasst werden, um eine Unterzuckerung zu verhindern.
Intermittierendes Fasten senkt den durchschnittlichen Blutzucker bei Menschen mit Typ-2-Diabetes. Der Effekt ist moderat, aber klinisch relevant: Je nach Studie verbessert sich der HbA1c-Wert (ein Maß dafür, wie gut der Blutzucker in den vergangenen Monaten reguliert war) um 0,3 bis 0,9 Prozentpunkte. Das entspricht in etwa dem, was eine herkömmliche Kalorienreduktion erreicht; klar überlegen ist intermittierendes Fasten dabei nicht. Auch das Körpergewicht sinkt, im Durchschnitt um 1,7 bis knapp 7 kg, je nach Studie und Dauer. Dazu kommen Verbesserungen bei Blutdruck und LDL-Cholesterin, wobei sich aus den verfügbaren Daten keine genauen Mengenangaben zuverlässig ableiten lassen.
Das größte Sicherheitsrisiko ist eine Unterzuckerung (Hypoglykämie). Dieses Risiko betrifft vor allem Menschen, die Insulin spritzen oder bestimmte blutzuckersenkende Tabletten einnehmen, etwa Glibenclamid oder Gliclazid. In Studien, bei denen Ärzte die Medikation rechtzeitig anpassten und die Teilnehmenden ihren Blutzucker regelmäßig maßen, trat keine schwere Unterzuckerung auf. In den ersten Fastenwochen, bevor die Medikation optimal eingestellt war, erlebten in einer der Studien jedoch 35 % der Teilnehmenden mit Insulin oder diesen Tabletten eine Unter- oder Überzuckerung. Das ist vergleichbar mit der Kontrollgruppe, zeigt aber, dass die Anfangsphase besondere Aufmerksamkeit erfordert.
Intermittierendes Fasten ist daher nichts, womit du bei Typ-2-Diabetes auf eigene Faust beginnen solltest. Alle Studien betonen, dass die Medikation vor oder zu Beginn des Fastens angepasst werden muss und dass du deinen Blutzucker regelmäßig kontrollieren solltest. Wenn du das gemeinsam mit deiner Ärztin oder deinem Diabetesberater angehst, lässt sich das Risiko ernster Komplikationen gut beherrschen.
Zeitlich begrenztes Essen, eine Variante, bei der du nur innerhalb eines festen Zeitfensters von beispielsweise zehn Stunden isst, lässt sich offenbar leichter durchhalten als individuelle Diätberatung. In einer australischen Studie hielten die Teilnehmenden ihr Essensfenster an durchschnittlich sechs von sieben Tagen ein, und die selbst berichtete Therapietreue war signifikant höher als in der Diätberatungsgruppe.
Die meisten Studien liefen nur zwölf Wochen bis sechs Monate; große Langzeitstudien fehlen noch. Welche genaue Form des Fastens am besten wirkt und wie sich die Effekte nach Jahren darstellen, muss die Forschung erst noch zeigen.
Diese Antwort stützt sich auf mehrere randomisierte Studien, zwei große systematische Reviews mit Metaanalysen (die größte fasste Daten von 5.369 Patientinnen und Patienten zusammen), eine kleinere Metaanalyse aus vier Studien sowie einen Übersichtsartikel. Die Befunde zur Blutzuckerregulation und zum Gewicht sind gut übereinstimmend. Die Evidenzlage zur Langzeitsicherheit ist begrenzt: Die meisten Studien dauerten höchstens sechs Monate und hatten kleine Gruppen. Die Forschenden selbst nennen die kurze Laufzeit und die geringen Fallzahlen als wesentliche Einschränkungen.