Ist teure Gesichtscreme besser als günstige?
Ein höherer Preis macht eine Gesichtscreme weder wirksamer noch sicherer. Schau lieber auf die Inhaltsstoffliste als auf das Preisschild oder Marketingversprechen auf der Verpackung.
Der Preis ist kein verlässlicher Qualitätsmaßstab. Teurere Feuchtigkeitscremes enthalten nachweislich nicht weniger Allergene als günstigere. Produkte ohne bekannte Hautallergene kosteten im Schnitt 0,83 Dollar pro Unze, Produkte mit Allergenen 0,60 Dollar. Dieser Unterschied war statistisch nicht signifikant. Das Preisschild sagt also nichts darüber aus, wie sicher oder wirksam eine Creme ist.
Der Hinweis „von Dermatologen empfohlen" auf der Verpackung macht ein Produkt teurer, aber nicht nachweislich besser. Produkte mit diesem Claim hatten einen Medianpreis von 0,79 Dollar pro Unze, ohne diesen Claim 0,59 Dollar. Für die Haut bringt der Aufpreis laut vorliegender Datenlage nichts.
Auch die Bezeichnung „parfümfrei" verdient einen kritischen Blick. Von allen Produkten, die dieses Versprechen machten, enthielten 45 % trotzdem mindestens einen duftstoffverwandten Stoff oder ein Pflanzenextrakt, das allergische Reaktionen auslösen kann. Wer empfindliche Haut hat, liest die Inhaltsstoffliste am besten selbst durch, statt sich auf solche Claims zu verlassen.
Dass Feuchtigkeitscremes überhaupt „wirken", ist weniger selbstverständlich als oft angenommen. Eine große Studie (über 1.300 Babys) zeigte, dass tägliches Eincremen bei Kindern mit erhöhtem Ekzemrisiko kein Ekzem verhinderte. Zudem hatten diese Babys signifikant häufiger Hautinfektionen, und es gab Hinweise auf mehr Nahrungsmittelallergien in der Eincremegruppe. Das bezieht sich auf intensives tägliches Eincremen bei Babys, nicht auf gelegentliche Anwendung bei Erwachsenen, relativiert aber die Vorstellung, dass mehr Creme automatisch besser ist.
Eine kleine Studie untersuchte eine spezifische Creme mit Mandelsäure und einem Pflanzenextrakt (Centella asiatica) bei 40- bis 75-Jährigen und stellte nach 12 Wochen Verbesserungen bei Hauttextur und Festigkeit fest. Da die Studie jedoch keine Kontrollgruppe hatte, lässt sich nicht schlussfolgern, dass der Preis oder die spezifischen Inhaltsstoffe den Unterschied ausmachen.
Alle Aussagen basieren auf einer Preisvergleichsstudie (PMID 28877310), einer großen randomisierten kontrollierten Studie bei Babys (PMID 39021147), einer kleinen offenen Studie bei Erwachsenen (PMID 40327578) und einem systematischen Review bei Inkontinenz (PMID 27841440). Vergleichende randomisierte kontrollierte Studien, die teure und günstige Cremes direkt bei Erwachsenen gegenüberstellen, existieren bislang nicht.
Bringt eine Nachtcreme wirklich etwas?
Eine Nachtcreme mit Retinoiden hat die beste Evidenzbasis und kann nach drei Monaten sichtbare Verbesserungen bewirken. Für gewöhnliche feuchtigkeitsspendende Nachtcremes sind die Hinweise positiv, die Evidenz aber gering, weshalb du die Erwartungen realistisch halten solltest.
Schützt ein hoher LSF wirklich besser als LSF 30?
LSF 100+ schützt bei echter Sonneneinstrahlung besser als LSF 50+, aber achte immer zusätzlich auf den UVA-Hinweis auf der Verpackung, denn die LSF-Zahl deckt diesen Schutz nicht ab.
Bringt eine Gesichtsmaske wirklich etwas – oder ist das nur Wellness für die Seele?
Eine LED-Maske oder eine Maske mit Wirkstoffen wie Salicylsäure wirkt messbar besser als gar nichts – die Effekte sind aber gering, und viele Studien sind klein oder kommerziell finanziert. Am meisten profitierst du von einer Maske mit einem belegten Wirkstoff, der zu deiner konkreten Hautbeschwerde passt.
Bringt Resveratrol in Hautcremes wirklich etwas?
Resveratrol entfaltet eine nachgewiesene biologische Wirkung, zerfällt in gewöhnlichen Cremes jedoch so schnell, dass beim Auftragen kaum noch aktiver Wirkstoff übrig ist. Achte auf Produkte mit eingekapselten Formulierungen, denn die lösen dieses Stabilitätsproblem deutlich besser.
Altert dunkle Haut langsamer als helle Haut?
Dunkle Haut altert sichtbar langsamer, weil sie UV-Strahlung besser abwehrt, ist aber anfälliger für Pigmentflecken. Sonnenschutz bleibt für alle Hauttypen das wirksamste Mittel, um die Hautalterung zu verlangsamen.
Wirkt ein Vampire Facial (PRP) gegen das Altern der Haut?
PRP-Injektionen bewirken eine geringe, aber wahrscheinlich echte Verbesserung von Hauttextur und Elastizität, wirken aber nicht bei allem: Feuchtigkeit und Pigmentflecken sprechen kaum an. Wer es ausprobieren möchte, sollte eine Klinik wählen, die klar und transparent über ihr Aufbereitungsprotokoll informiert.