Kann dein Darmmikrobiom dein Herzerkrankungsrisiko beeinflussen?
Dein Darmmikrobiom beeinflusst deine Herzgesundheit über Stoffwechselprodukte, die Arteriosklerose, Blutdruck und Thromboserisiko fördern können. Der Zusammenhang ist biologisch plausibel, doch wie das Mikrobiom am besten angepasst werden sollte, um das Herz zu schützen, ist noch unzureichend belegt. Eingreifende Interventionen solltest du immer mit deinem Arzt besprechen.
Dein Darmmikrobiom produziert Stoffwechselprodukte, die über den Blutkreislauf zu Herz und Gefäßen gelangen. Ein bekannter Übeltäter ist TMAO, eine Verbindung, die entsteht, wenn Darmbakterien bestimmte Nährstoffe aus Fleisch und Eiern abbauen. Auch kurzkettige Fettsäuren und Gallensäuren spielen dabei eine Rolle. Über diese Wege kann das Darmmikrobiom zur Entstehung von Arteriosklerose, Bluthochdruck, Herzinsuffizienz und Herzinfarkt beitragen. Mehrere Übersichtsarbeiten und Beobachtungsstudien bestätigen diesen Zusammenhang.
Ein konkretes Beispiel ist PAGln, das entsteht, wenn Darmbakterien die Aminosäure Phenylalanin aus eiweißreicher Nahrung umwandeln. In einer Kohorte von rund 4.000 Personen war ein höherer PAGln-Spiegel mit mehr Herzinfarkten, Schlaganfällen und Todesfällen assoziiert. In Tiermodellen erhöhte PAGln nachweislich die Neigung der Blutplättchen zur Verklumpung und steigerte damit das Thromboserisiko. Der Hauptautor dieser Untersuchung hat finanzielle Interessen an verwandter Diagnostik, was bei der Einordnung der Befunde berücksichtigt werden sollte.
Ein gestörtes Gleichgewicht im Darmmikrobiom, mit zu wenig schützenden und zu vielen schädlichen Bakterien, ist in Beobachtungsstudien mit bekannten Risikofaktoren wie Arteriosklerose, Bluthochdruck und Übergewicht assoziiert. Ob diese Dysbiose die Ursache des erhöhten Risikos ist oder Folge eines ungesunden Lebensstils, lässt sich aus diesen Studien nicht ableiten. Bestimmte günstige Bakterienarten wie Lactobacillus und Akkermansia scheinen den Cholesterinspiegel geringfügig senken zu können, doch die klinischen Ergebnisse mit Probiotika fallen uneinheitlich aus.
Eine große chinesische Studie mit mehr als 10.000 Teilnehmenden zeigte, dass Menschen mit einem 'jüngeren' Darmmikrobiom ein geringeres kardiovaskuläres Risiko hatten, selbst wenn sie unter Übergewicht oder erhöhtem Blutzuckerspiegel litten. Bei Menschen mit Stoffwechselproblemen und einem 'alten' Mikrobiom war das Risiko mehr als doppelt so hoch. Da die Studie an einer spezifischen Bevölkerungsgruppe durchgeführt wurde, lassen sich die Befunde nicht ohne Weiteres auf andere übertragen.
Interventionen, die das Darmmikrobiom gezielt verändern, darunter Probiotika, Präbiotika, Stuhltransplantationen und Antibiotika, werden als mögliche Ansätze gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen erforscht. Bisher ist dieses Feld weitgehend experimentell. Stuhltransplantationen und breit wirksame Antibiotikakuren bergen reale Risiken und werden außerhalb klinischer Studien für diesen Zweck nicht empfohlen.
Die Evidenz stützt sich auf mehrere Übersichtsarbeiten, Beobachtungsstudien und eine große chinesische Kohortenstudie (n > 10.000). Der PAGln-Befund stammt aus einer Studie, deren Hauptautor finanzielle Interessen an verwandter Diagnostik hat. Direkte Kausalzusammenhänge beim Menschen sind durch kontrollierte Interventionsstudien bisher nicht belegt.